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Von Pfauen, Hunden, Lords und Geldleuten

Von Pfauen, Hunden, Lords und Geldleuten

Wenn Übersetzer mit ihrem Material aus anderen Sprachen hadern, schreiben sie selbst Bücher.

Wenn Übersetzer mit ihrem Material aus anderen Sprachen hadern, schreiben sie selbst Bücher. Zum Beispiel Isabel Bogdan, die vielbeschäftigte Übersetzerin englischer Autoren (Nick Hornby, Jonathan Safran Foer oder Megan Abbott). Sie hat bereits ein spaßiges Werk vorgelegt mit dem Titel „Sachen machen“, in dem sie Selbstversuche vorführt – Rhönradfahren, in Wacken die Mähne schütteln, Tischtennis mit Punks spielen, solche Sachen. Sie ist also humorbegabt .

Ihr zweites Buch ist ein Roman. In „Der Pfau“ wird die Hamburgerin Bogdan dem Brexit zum Trotz zur Gesinnungsbritin, die deutschen Lesern einen Blick in insulare Lebenswelten gönnt. Die Geschichte handelt von Londoner Investmentbankern, angeführt von einer herrischen Chefin, die auf einem schottischen Landsitz zum Teambuilding-Seminar eintreffen. Dort spielt ein Pfau verrückt – er beschädigt zunächst den Wagen der Chefin, wird deshalb vom Gutsherrn heimlich im Wald erlegt, dann aber vom Hund der Bankerin aufgespürt und apportiert. Die Dame muss annehmen, ihr Köter habe das Federvieh gerissen. Also weg damit, bevor der Landlord es bemerkt. Beauftragt mit der Entsorgung wird die patente Köchin, die das auf Köchinnenart tut: Es gibt, als man auf dem Anwesen eingeschneit ist, zum Abendessen Pfau – getarnt als Geflügelcurry.

Diese eher harmlosen Begebenheiten eines Wochenendes am Rande der Highlands garniert Bogdan mit einem ironischen Blick in die Seelen ihres Personals. Man erfährt von den Nöten des verarmten, aber akademisch gebildeten Landadels, von Geldmenschen, die psychologische Hilfestellung wie das Coaching verachten, aber als brave Untertanen mitmachen. Und von der Macht moderner Domestiken – neben der Köchin stehen da noch weiter dienstbare Geister am Ruder. Bogdan erzählt federleicht in mäandernden Sätzen. Regelmäßig wird Zwischenbilanz gezogen über das Geschehene und den Wissensstand der einzelnen Personen und selbst des Hundes.

Dadurch erhält die Erzählung die Form eines Rondos – immer wieder kehrt Bogdan zu ihren Motiven zurück, in allerlei Varianten. Und auch ohne offensive Dramatik hat die Autorin den Leser fest im Griff. Ein Vergnügen.

„Der Pfau“ von Isabel Bogdan, Kiepenheuer & Witsch; 256 S., 18,99 Euro

Michael Berger

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