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Von all den Geistern, die sie nicht rief

Von all den Geistern, die sie nicht rief

Die Autorin des „Geisterhauses“, Isabel Allende, wird heute 75 Jahre alt. Ihr Werk erzählt von einem Leben in unruhigen Zeiten.

Santiago de Chile. Isabel Allendes Erzählen begann nachts am Küchentisch in Caracas. Mit einem imaginären Brief an ihren verstorbenen Großvater. Der wurde lang und länger – und schließlich wurde daraus das Manuskript für das berühmte „Geisterhaus“, ihren ersten Roman. Er machte sie weltberühmt und ist bis heute ihr bekanntestes Werk. Der mit Elementen des Magischen Realismus versehene Roman (Erstausgabe in spanischer Sprache: 1982) erzählt die Geschichte der Familie Trueba von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch in Chile. Hinter vielen Romanfiguren verbergen sich Angehörige von Allendes weit verzweigter Familie.

Es folgten weitere erfolgreiche Werke, sehr persönlich wurde „Paula“ (1992), in dem Allende den Tod ihrer Tochter thematisiert, die mit nur 28 Jahren an einer seltenen Stoffwechselkrankheit gestorben war. Allein die deutsche Ausgabe wurde über 3,5 Millionen Mal verkauft. Und es wurde von Bille August mit Jeremy Irons, Meryl Streep, Glenn Close, Winona Ryder und Antonio Banderas 1993 erfolgreich verfilmt.

Die gebürtige Chilenin ist mit mehr als 67 Millionen verkauften Büchern eine der meistgelesenen Autorinnen in spanischer Sprache. Starke Frauen, Liebe, das Leben über Generationen hinweg – das sind wiederkehrende Themen ihres Schaffens. Kritiker werfen ihr vor, nicht literarisch genug zu sein und den von Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez geprägten Magischen Realismus, das Verschwimmen von Fiktion und Realität, zu kopieren. Die intellektuelle Elite in ihrer Heimat würde sie hassen, meinte sie wiederholt. Für Allende muss es eine Genugtuung gewesen sein, 2010 den chilenischen Nationalpreis für Literatur zu erhalten.

Die Tochter eines chilenischen Diplomaten wurde in Perus Hauptstadt Lima geboren, wuchs in Bolivien und im Libanon auf, bevor sie schließlich in Chile lebte, wo sie sich als Fernsehjournalistin einen Namen machte und mit anderen Frauenrechtlerinnen die feministische Zeitschrift „Paula“ gründete. Als Chiles sozialistischer Präsident Salvador Allende – ihr Onkel zweiten Grades – 1973 von den Militärs unter Führung von Augusto Pinochet gestürzt wurde und im Präsidentenpalast Selbstmord beging, sah sie keine sichere Zukunft mehr für sich in der Heimat.

Isabel Allende wird heute 75 Jahre alt und mischt sich weiter ein. Als in den USA lebende Schriftstellerin hadert sie mit dem Hier und Jetzt. US-Präsident Donald Trump ist für Allende ein „wild gewordener Stier“, ein Mann „skrupelloser Geschäfte“ und „das Schlimmste, was dem Land passieren konnte“.

Georg Ismar, Klaus Blume

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