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Von allen guten Geistern heimgesucht

Lübeck Von allen guten Geistern heimgesucht

... und auch das Premierenpublikum war begeistert: Die Komödie „Gode Geister“ an der Niederdeutschen Bühne Lübeck.

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Spukt es hier? Das fragen sich (v. l.) Roland Gabor (Simon Willis), Anja Giebelstein (Felicitas Willis), Hans-Gerd Willemsen (Makler Weber), Antje Wendtorff (Susi Kehlmann) und Jens-Peter Kraushaar (Jakob Kehlmann).

Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Lübeck. Ein bisschen ist man sich in den Kammerspielen vorgekommen wie im Weihnachtsmärchen — zwei weißgewandete Geister, ein Engel, die Geburt eines Kindes bei leise rieselndem Schnee und ein bekehrter Atheist, der betend auf die Knie fällt. Jedenfalls passt die Aufführung hervorragend in die Adventszeit, und bei den Premiere-Zuschauern kam die plattdeutsche Komödie „Gode Geister“ bestens an.

Regisseur Uwe Wendtorff gelingt es, nachdenkliche sentimentale Momente und deftige Komik auszuloten und zu einem unterhaltsamen Stück zu verweben. Wendtorff feiert mit dieser Inszenierung sein 40-jähriges Bühnenjubiläum bei der Niederdeutschen Bühne.

Die Geschichte von „Gode Geister“: Das Ehepaar Kehlmann ist bei einem Urlaub am Gardasee ertrunken und spukt nun in seinem Landhaus in Schmilau bei Ratzeburg herum. Denn im Gegensatz zu seiner Ehefrau Susi (gefühlvoll: Antje Wendtorff) ist der Krimi-Bestsellerautor Jakob (lässig: Jens-Peter Kraushaar) nicht gläubig und wird von Petrus an der Himmelspforte abgewiesen. Aus Liebe verzichtet auch Susi auf ihren reservierten Platz.

Der Prolog schafft Klarheit

Damit der Zuschauer gleich im Bilde ist, hat sich Uwe Wendtorff einen Kunstgriff einfallen lassen und dem Original einen selbstverfassten Text vorweg gestellt. Dieser stellt klar, wer auf der Bühne herumgeistert und warum sie es tun. Der Prolog wird auf ganz bezaubernde Weise von der talentierten Mia Großmann vorgetragen. Die elfjährige Lübeckerin thailändischer Herkunft erntet für ihren schelmischen Auftritt in astreinem Plattdeutsch den ersten Szenenapplaus.

Die Kehlmanns können zwar als Untote nicht richtig leben, aber sterben können sie auch (noch) nicht. So vertreiben sie sich mit harmlosen Späßen die Zeit, hängen Bilder schief und lassen Schlüssel verschwinden. Dieser Spuk treibt den Makler Markus Weber allerdings schier in den Wahnsinn. Hans-Gerd Willemsen spielt den Menschen, der an seinem Verstand zweifelt, ebenso überzeugend wie den etwas verschrobenen Engel, der in altmodischer Fliegermontur auf den Plan tritt.

Der Himmelsbote erscheint, um die neuen Mietern der Kate auf Wunsch der Kehlmanns zu unterstützen: Simon Willis (leidenschaftlich: Roland Gabor) ist ein Autor mit Schreibblockade, und seine Frau Felicitas Willis (resolut: Anja Giebelstein) erwartet ein Baby, was die mütterlichen Gefühle von Susi weckt.

Da die Kehlmanns wegen ihres luftförmigen Zustands nicht unmittelbar mit den Willis kommunizieren können, stattet der Schutzengel die guten Geister mit der Fähigkeit zur Gedankenübertragung aus.

Diese vollzieht sich per Handauflegen — das für Lacher und Heiterkeit beim Publikum sorgt.

Spontanen heftigen Applaus löst die Szene aus, als Martha Brodersen, Mutter von Feli, für ihre Boshaftigkeit bestraft wird. Susi übernimmt telepathisch die Regie. Wie ferngesteuert entpuppt sich die in schwarz gekleidete trauernde Witwe (temperamentvoll: Gabriele Meier) als Sexmonster, die sich lüstern auf den verdatterten Makler stürzt und ihre Bluse aufreißt. Uwe Wendtorff setzt hier gezielt auf publikumswirksames Spektakel — als Gegenpol zu den dialogreichen Passagen, die zumindest in der ersten Hälfte des Stücks überwiegen und ein bisschen ermüdend wirken.

Zu den dramatischen Höhepunkten gehört die Geburt des Babys, das der Zuschauer durch die Schilderung von Jakob und Susi miterlebt. Da das Leben des neuen Erdenbürgers gefährdet scheint, fängt Jakob Kehlmann, Atheist aus Überzeugung, an zu beten. Das Kind wird gerettet. Jakob und Susi schreiten am Schluss Hand in Hand durch das hellerleuchtete Himmelstor. Man mag diese Wendung zu romantisch oder kitschig finden oder sich sagen: Ende gut, alles gut — und kann schwelgen: „So schön wie im Märchen, aber viel lustiger.“

Weitere Vorstellungen: 17. Dezember, 20 Uhr, 20. Dezember, 15 und 18 Uhr, Kammerspiele des Theaters Lübeck

Die Komödien-Autorin blieb solide
Pam Valentine ist eine britische Autorin von Komödien, die ihr Alter erfolgreich verschweigt. Dafür verrät sie eine Geschichte aus ihrer Kindheit: Ihr Englischlehrer habe ihr geraten, sie solle Schriftstellerin werden, ihr Lateinlehrer prophezeihte ihr dagegen, dass sie für eine kriminelle Karriere bestimmt sei. Sie zog die erste Möglichkeit vor, dachte aber später, dass sie mehr Geld verdient hätte, wenn sie sich für die zweite Möglichkeit entschieden hätte.
„Spirit Level“, zu deutsch „Gute Geister“, ist ihr populärstes Stück. Hartmut Cyriacks und Peter Nissen haben es ins Niederdeutsche übertragen.

Dorothea Kurz-Kohnert

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