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Von der Animateurin zur Autorin

Ratekau Von der Animateurin zur Autorin

Lena Johannson aus Ratekau ist eine der bekanntesten und fleißigsten Verfasserinnen von Unterhaltungsliteratur.

Ratekau. Lena Johannson sitzt an ihrem Schreibtisch und blickt auf die alten Backsteingebäude des Ratekauer Dorfmuseums vor ihrem Fenster. Die Autorin ist umringt von Blätterstapeln, hinter dem Schreibtisch steht ein großes Trimmrad. „Ich bin ein chaotischer Mensch“, sagt die 48 Jahre alte Schriftstellerin schmunzelnd. Vor allem aber ist Lena Johannson ein kreativer Mensch. Schon als Jugendliche verfasste sie seitenlange Briefe vom Schüleraustausch an ihre Eltern, notierte Reiseerlebnisse und schrieb Tagebuch. Sie liebte das Schreiben, doch erst viele Jahre später machte sie ihr Hobby auch zum Beruf.

Denn eigentlich hatte Johannson andere Pläne, als sie eine Lehre zur Buchhändlerin begann. „Ich wollte Schauspielerin werden, aber davon war ich schnell kuriert als es soweit war“, erzählt sie. Ein halbes Jahr hielt sie es an einer Schauspielschule aus. „Immer nur Anweisungen umzusetzen, war mir einfach zu langweilig“, sagt sie. Ein Praktikum und eine Regieassistenz beim Ohnsorg-Theater in Hamburg haben der jungen Frau schon besser gefallen. Anschließend war sie Animateurin in der Schweiz, in Tunesien und Sri Lanka. „Eine aufregende Zeit“, erinnert sie sich, „aber man muss den Absprung schaffen. Der Job ist stressig.“

Erster Erfolg mit

„Das Marzipanmädchen“

Als Lena Johannson zurückkehrte, las sie die Stellenanzeige eines Redaktionsbüros im „Hamburger Abendblatt“. „Ich habe mich beworben und mit dem Schreiben für verschiedene Zeitungen angefangen.“

Seitdem verdient sie ihr Geld als Autorin.

2007 erschien ihr erster Roman „Das Marzipanmädchen“, mit dem Lena Johannson es in die Riege der bekannten Schriftstellerinnen der Region schaffte. Die Geschichte spielt in Lübeck im Jahre 1870, und es geht um das Geheimnis der Marzipanherstellung. Fortan entwickelt entstehen historische Romane, sie schreibt leichte Sommerlektüre oder Krimis mit Komissarin Conny Lorenz. Auf ein Genre will sich Johannson nicht festlegen. Nur eines ist immer gleich: Fast alle Bücher spielen am Meer. Schon als Jugendliche war sie oft auf Hallig Hooge, dort lebte sie 2011 sogar für einige Zeit als Halligschreiberin.

Heute wohnt sie mit ihrem Mann in Ratekau, in einem modernen Haus mit Blick auf das traditionelle Backhaus des angrenzenden Museums. „Manchmal geht mein Blick beim Schreiben in die Ferne, und ich versetze mich in die Figuren hinein“, sagt die Autorin. Rund ein Jahr arbeite sie an einem Roman, von der Idee bis zum fertigen Buch mit 300 bis 400 Seiten. Sobald der Verlag die Geschichte abnickt, setzt sie sich an den Computer und formuliert sie aus.

Vor kurzem war sie mit ihrem Mann im Panometer Dresden. In dem ehemaligen Gasometer ist ein monumentales Panoramabild der zerstörten Stadt von 1945 vom Künstler Yadegar Asisi zu sehen. „Darin sieht man eine Giraffe neben dem zerstörten Rathaus stehen“, erzählt Johannson, „ein skurriles Bild, ich dachte sofort, dass man daraus etwas machen muss.“

Drei Bücher ein einem Jahr

Doch vorerst hat sie noch andere Geschichten auf dem Tisch. Gleich drei Werke veröffentlich die Autorin in diesem Jahr. Noch in diesem Monat erscheint ihr Roman „Liebesquartett auf Usedom“ und im Mai „Sanddornsommer“. Ein ganz besonderes Experiment wagt Lena Johannson mit einem Thriller über die Wassernot in Syrien und Jordanien. Schon 2010 ist sie dort hingereist und hat sich zehn Tage lang mit Ingenieuren, Ministern und Behördenmitarbeitern getroffen. „Ich habe an einer Sitzung teilgenommen, in der es darum ging, wie die Bewohner der Altstadt in Damaskus ihre Häuser besser dämmen können“, erzählt sie.

Lena Johannson weiß nicht, wie es heute in Damaskus aussieht, wo sie vor sechs Jahren Fotos und Eindrücke gesammelt hat. Auch die Verlage sind skeptisch. Das Genre passt nicht ins Konzept, hieß es zunächst. Als dann der Krieg ausbrach, schien die Thematik unpassend. „Dabei finde ich es gerade wichtig. Über solche Probleme hört man sonst nichts“, meint die Autorin. Ihre Geschichte wird nun hauptsächlich in Jordanien spielen, ein E-Book-Verlag veröffentlich den Thriller im Herbst. „Die Hoffnung besteht natürlich, dass dann auch eine Print-Veröffentlichung folgt“, sagt Johannson.

Dann geht sie zum Briefkasten, holt einen dicken Umschlag mit dem Stempel des Dresdner Zoos heraus, „Ich habe eine Chronik vom Zoo angefordert, um der Sache mit der Giraffe nochmal nachzugehen“, sagt Lena Johannson.

Lena Johannson liest am Freitag, 20. Mai, aus ihrem aktuellen Kriminalroman „Mord auf dem Dornbusch“ in der Lübecker Essigfabrik, Kanalstraße 26.

Criminale: Vom 20. bis zum 23. April nimmt die Autorin am Krimifest des Syndikats, einer Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur, in Marburg teil.

Von Maike Wegner

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