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Von der Bigband bis zum Stehgeiger

Lübeck Von der Bigband bis zum Stehgeiger

Manchmal muss es ein Streichquartett sein. Oder eine Rockband. Und es gibt Gelegenheiten, für die man eine Sängerin braucht. Man kann sich dann an die Musikhochschule wenden, an Jan-Taken de Vries. Er organisiert dort die Musikervermittlung, und die Nachfrage ist sehr groß.

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Lübeck. Begonnen hat es als ein Referat des Studentenparlaments, vor mehr als zehn Jahren wurde es mit Unterstützung des Präsidiums auf feste Füße gestellt. Es gab eine Webseite, Visitenkarten, es gab ein kleines Büro. Und es gab de Vries, der in dieser Zeit vom Studium in den Beruf wechselte und die Vermittlung statt bisher ehrenamtlich nun professionell übernahm. Er unterrichtet seither in Teilzeit Musik an der Grund- und Gemeinschaftsschule in Pönitz, die übrige Zeit ist er abgeordnet an die Musikhochschule, wo er auch als Dozent arbeitet.

 

LN-Bild

Jan-Taken de Vries (l.) leitet seit mehr als zehn Jahren die Musikervermittlung an der Musikhochschule. Viele Anfragen landen aber auch beim Präsidenten Rico Gubler (r.).

Quelle: Fotos: Felix König, Stock Adobe.com

Mail und Telefon

Die Musikervermittlung der Musikhochschule Lübeck hat ihren Sitz in der Großen Petersgrube 21.

Telefonisch ist der Leiter Jan-Taken de Vries unter 0451 – 4079835 zu erreichen, per Mail unter: info@musikvermittlung-luebeck.de.

Etwa 450 Studentinnen und Studenten gibt es an der Hochschule, rund ein Drittel von ihnen befindet sich in seiner Kartei. Auf sie greift de Vries zurück, wenn Anfragen kommen. Und die kommen reichlich, im Schnitt 15 bis 20 täglich. Etwa zehn laufen zudem jeden Tag über den Schreibtisch des Präsidenten Rico Gubler. Es gibt ruhigere Zeiten, aber auch so etwas wie Saison. Im September zum Beispiel, wenn die Weihnachtsfeiern geplant werden. Oder momentan, da viele Paare ihre Hochzeit organisieren.

Die Anlässe für Engagements sind verschieden: Taufen, Begräbnisse, Jubiläen, Firmenfeiern, der 30. oder der 90. Geburtstag, Empfänge des Landes, Galadiners – wo Musik gebraucht wird, kann man sie von der Hochschule bekommen. Nicht gratis natürlich, obwohl manche das annehmen. „Wir sind ja auch in einem Wettbewerb“, sagt Gubler. Man dürfe den regionalen Markt für Musiker nicht mit Dumpingpreisen zerstören – für Musiker zumal, die oft genug von der Lübecker Hochschule kommen.

„Tragen sie nicht zum Jagen“

De Vries vermittelt den Kontakt, klopft die Wünsche des Veranstalters ab und gibt eine Einschätzung, was es kosten würde. Manchmal sieht er sich auch die Örtlichkeit an oder guckt, ob das dort vorhandene Klavier geeignet ist. Alles Übrige aber müssen die Studierenden selbst klären. Und da sei Initiative gefragt. „Wir tragen sie nicht zum Jagen“, sagt der Präsident.

Wie teuer ist so etwas? Kommt drauf an, meint de Vries. Aber bei einem Streichquartett, das zwei Mal 30 oder 40 Minuten spielt, sollten es nicht unter 350 bis 400 Euro pro Musiker sein. Kultur ist eben nicht kostenlos, sagt Gubler. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, sei manchmal schwierige Arbeit. Kulturelle Leistungen müssten entlohnt werden, so wie andere Leistungen auch.

Die Interessenten kommen aus der ganzen Region, bis zu 150 Kilometer um Lübeck herum. Es sind auch Stammkunden darunter, der Rosenhof in Travemünde etwa, wo die Studenten regelmäßig vor den Senioren spielen. Der Großteil der Anfragen bezieht sich auf Auftritte. Manchmal geht es aber auch um Unterricht oder eine Komposition, um eine Hymne vielleicht zur Hochzeit oder eine Melodie für die Telefonschleife, wenn man „Für Elise“ leid ist. Bei den Konzerten ist klassische Musik der Schwerpunkt. Auffällig sei, dass die Tradition der Hauskonzerte wieder auflebe, sagt de Vries, ein studierter Flötist, der unter anderem seit gut 20 Jahren in der Irishfolk-Band Glenfiddle spielt. Derzeit sei zudem das Saxofon sehr beliebt.

Wichtig ist, dass es sich bei dem Angebot um eine Vermittlung handelt, nicht um eine Agentur. Agenturen verdienen an den Künstlern mit, das tun sie an der Hochschule nicht. Auch unterliegen sie einem anderen Recht. Sie wollen den Agenturen – wie den Musikschulen – keine Konkurrenz machen, sondern arbeiten bisweilen auch mit ihnen zusammen. Es geht vielmehr um ein Angebot, bei dem alle profitieren sollen. Allen voran natürlich die Studenten, die so aufs wahre Künstlerleben vorbereitet werden, Geschäftsverhandlungen inklusive. „Es bringt in diesem Fall nichts, alles vorzukauen“, sagt de Vries.

Peter Intelmann

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