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Von der Vergangenheit eingeholt

Lübeck Von der Vergangenheit eingeholt

Wie weit kann eine Liebe reichen? Diese Frage muss sich Carl Schwarz stellen, als er in New York seine letzten Lebensjahre mit seiner Frau Emmi verbringt.

Lübeck. Wie weit kann eine Liebe reichen? Diese Frage muss sich Carl Schwarz stellen, als er in New York seine letzten Lebensjahre mit seiner Frau Emmi verbringt. Durch einen Zufall kramt Carl in der Vergangenheit und stößt dabei auf unliebsame Erkenntnisse. Ein einziges Foto und wenige verblichene Zeilen ändern für ihn alles. Die Autorin Andrea Maria Schenkel erzählt in ihrem neuen Roman „Als die Liebe endlich war“ die berührende Geschichte eines Mannes, der an seinem Lebensende von der Vergangenheit eingeholt wird. Nach ihrem Romandebüt „Tann-

öd“ und weiteren Krimis bedient Schenkel nun ein ganz anderes Genre.

Carls Geschichte beginnt 1938, als seine Mutter mit den Kindern von Regensburg nach Shanghai flieht. Carls Vater ist Jude, doch er will der Angst vor Adolf Hitler nicht nachgeben und bleibt trotz der drohenden Gefahr in Deutschland. Carl und seine Schwester Ida erwartet in Shanghai dagegen ein besseres Leben. Der Junge wird Page im Parkhotel, lebt bescheiden und zufrieden. Nach Kriegsende geht er nach New York, arbeitet dort als Fassmacher und lernt 1950 Emmi kennen. Die hübsche Frau mit dem rotblonden Haar hat Deutschland nach dem Krieg verlassen und will auch ein neues Leben beginnen. Sie trägt ein Armband aus Bernstein. Es ist dieses Armband, das Carl Jahrzehnte später den entscheidenden Hinweis auf ihre Vergangenheit geben wird.

Wie aus kleinen Puzzleteilen setzt sich am Ende die tragische Geschichte zusammen. Mal spielt der Roman in der US-Kleinstadt Lachmont, dann wieder 60 Jahre früher in Shanghai. Mal ist Carl ein unbedarftes Kind, dann ein nachdenklicher Greis. Der Leser muss gut aufpassen, um den Überblick zu behalten. Was bleibt, ist ein verunsicherter Mann, der am Ende seines Lebens alles hinterfragt, als er den Nachlass eines Holocaust-Überlebenden durchsieht und auf ein Foto stößt. Denn Emmi, die angeblich im heutigen Tschechien geboren wurde und keine Verwandten hat, verbirgt ein Geheimnis. Zwei US-Beamte konfrontieren Carl mit der unschönen Vergangenheit. Denn es gibt nur eine Person, die unter dem Namen Emmi Nestler in Tschechien gemeldet war, doch die ist bereits verstorben. mwe

„Als die Liebe endlich war“ von Andrea Maria Schenkel, 378 Seiten, Hoffmann und Campe Verlag, 22 Euro.

LN

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