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„Wabi–Sabi“, sagt Dagmar Täube

WAS MICH BEGEISTERT „Wabi–Sabi“, sagt Dagmar Täube

Was mich hier in Lübeck besonders begeistert: Das lebendige Miteinander von historischer Architektur, von Kunstschätzen, Musik, Theater und Literatur. Gerade ...

Lübeck. Was mich hier in Lübeck besonders begeistert: Das lebendige Miteinander von historischer Architektur, von Kunstschätzen, Musik, Theater und Literatur. Gerade die Verbindung der verschiedenen Künste macht jede einzelne umso reicher. Ich gehe durch die Gässchen der Altstadt und sehe noch heute das Nebeneinander kleiner Häuschen und mächtiger Kirchenbauten. Hier wird mir klar, wie besonders die Schätze des Mittelalters für den Menschen jener Zeit gewesen sein müssen. Die Weite, die Höhe, die Pracht und die Schönheit jener Architektur und ihrer Ausstattung. Das ist den Menschen damals wichtig gewesen. Sie wollten nach oben, ins Weite schauen – und nicht auf die engen Gassen, in denen ihr tägliches, oft mühseliges Leben verlief.

 

LN-Bild

Dagmar Täube (55) leitet das St. Annen-Museum, das Museum Holstentor und die Katharinenkirche. Die promovierte Kunsthistorikerin kommt aus dem Rheinland und hat an renommierten internationalen Ausstellungshäusern gearbeitet.

Quelle: Foto: Lutz Roessler

Selbst heute in Zeiten medialer Bilderflut geht mir das Herz auf angesichts dieser schönen und mächtigen Formen und der Geschichten, die sie erzählen. Dazu gehört auch das Schiefe, Abgenutzte, Alltägliche. Erst durch das selbstverständliche Leben in und mit den Häusern und Dingen bekommen diese neben ihrer besonderen Machart ein individuelles Eigenleben.

Hinzu kommt „der Zahn der Zeit“, die Patina, die allem anhaftet, was über lange Zeit hinweg existiert. Die Dinge haben dann den Reiz des Neuen verloren, aber den Charme des Alten gewonnen. Im Zen-Buddhismus spricht man von Wabi-Sabi , was genau das meint. Wie gerne bemühen wir in unseren Zeiten fernöstliche Weisheiten, oft ohne zu ahnen, dass es sehr ähnliche Ideen und Geisteshaltungen auch in Europa gegeben hat. Lebendige Zeugen dafür begegnen uns in Lübeck auf Schritt und Tritt.

LN

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