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Kultur im Norden Wacken als Spielfilm
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18:10 12.07.2018
Regelmäßig mehr als 70000 Besucher: Wacken gilt als das größte Heavy-Metal-Festival der Welt. Quelle: Fotos: Ics Festival Service; Olaf Malzahn (1)
Lübeck

„Rain or Shine“ ist der Arbeitstitel des Projekts von Take25pictures, der Produktionsfirma aus Lunden im Kreis Dithmarschen. Erste Voraufnahmen sind gemacht, ab September und eventuell auch im Frühjahr soll der Hauptdreh stattfinden. Momentan werde der endgültige Drehplan erstellt, sagt Michael Lütje von Take25pictures, der mit Regisseur Michael David Pate das Drehbuch geschrieben hat.

Nächste Woche bei einem Treffen in Berlin werde sich auch entscheiden, wer die Hauptrollen übernimmt.

Im wahren Leben spielen die Hauptrollen Thomas Jensen und Holger Hübner. Sie haben das Festival 1990 mit ein paar Freunden erstmals auf die Beine gestellt. In einer Kieskuhle bei Wacken war das, mit sechs Bands und ein paar hundert Zuschauern. Einige Freunde sprangen ab, Jensen und Hübner blieben dabei. Die Sache wuchs und wuchs, und heute gilt Wacken längst als das größte Metal-Festival der Welt.

Diese Geschichte, eine der erstaunlichsten in der jüngeren Vergangenheit Schleswig-Holsteins, will der Film erzählen. Wobei der Schwerpunkt auf den Anfängen Ende der Achtzigerjahre liegt, als eine Kneipenidee langsam Gestalt annahm. Von da wird zum dritten Festival geschwenkt, als schon 20 Bands auf zwei Bühnen spielten. Und dann geht es noch weiter zur Jahrtausendwende, um die Entwicklung zu heutiger Größe deutlich zu machen. Auch in drei Wochen beim Festival werden die Kameras laufen.

Kennengelernt haben sich die Wacken-Macher und die Dithmarscher Produzenten vor drei Jahren. Da hatte Take25pictures „Kartoffelsalat“ produziert, eine Komödie mit Youtube-Größen wie den Lochis und Freshtorge, aber auch mit Otto Waalkes. Bei der Suche nach einem Ort für die Premiere war man auf den Marktplatz in Heide ausgewichen. Das Berliner Sony-Center und die Essener „Lichtburg“ hatten nach ersten Zusagen plötzlich Bedenken wegen tausender junger Youtube-Fans bekommen. Die Wacken-Leute halfen in Heide mit Absperrgittern, beim Aufbau und der Sicherheit. So kam der Kontakt zustande. Die Idee zu dem Film allerdings ist schon älter.

Hübner und Jensen stünden „komplett hinter dem Projekt“, sagt Lütje. Sie hätten zwar nicht am Drehbuch mitgeschrieben, aber in 30, 40 Interviewstunden viel Kurioses und Hintergründiges erzählt. Beide hätten auch kurze Auftritte, würden sich aber nicht selbst spielen. Für Hübner habe man schon „relativ sicher“ eine Besetzung, bei Jensen müssten zwei Kandidaten noch mal in ein spezielles Casting.

Darsteller für kleinere Rollen sowie rund 150 Komparsen haben sie im Frühjahr bei Castings in Wacken und Hamburg schon gefunden.

Gedreht wird, „wenn irgend möglich“, an Originalschauplätzen. Da kommt ihnen gelegen, dass sie die Gegend und das Festival aus eigener Anschauung gut kennen. Lütje selbst war schon bei der dritten Auflage dabei. Und er ist ungefähr in dem Alter von Hübner und Jensen und kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als die Telefonzellen gelb waren, die Postleitzahlen vierstellig und man am Zigarettenautomaten Markstücke brauchte, keine Euros. Die Originalbühne vom ersten Festival zum Beispiel haben sie auch.

Gegründet worden ist Take25pictures vor fünf Jahren. „Kartoffelsalat“ war mit teils denkwürdigen Kritiken, aber einer knappen halben Million Besuchern das bislang größte Projekt. Für den Wacken-Film planen sie mit einem Budget von 1,5 Millionen Euro. Das ist nicht alle Welt, aber frei von öffentlicher Förderung. „Komplett independent“, sagt Lütje. Das sei zwar ungewöhnlich, gebe ihnen aber auch viele Freiheiten. So müssten sie keine Fristen beachten, wenn es um die Vermarktung im Fernsehen oder als DVD gehe.

Ins Kino soll der Film im nächsten Jahr zum 30. Jubiläum des Festivals kommen, eventuell schon im Frühsommer. Einen Ort für die Premiere gibt es noch nicht. Aber weil das Wacken-Open-Air einen weltweiten Ruf hat, denken sie auch in diesem Rahmen. Sie seien in Gesprächen mit verschiedenen internationalen Festivals, sagt Lütje. Mit dem in Locarno zum Beispiel oder dem South by Southwest im texanischen Austin, „solche Geschichten“.

Es gibt noch Karten für das Festival

Vom 1. bis 4. August versammelt sich die Metal-Gemeinde wieder beim Festival in Wacken. Anders als in den Vorjahren gibt es immer noch Karten. Gestern Mittag waren es weniger als 3000. Das „3-Day-All-In Ticket“ kostet 220 Euro.

Zu den großen Namen unter den fast 190 Bands in diesem Jahr zählen Judas Priest, Behemoth, Arch Enemy und In Flames. Die Hamburger Band Helloween hat sich wieder in alter Besetzung zusammengefunden und steht ebenso auf der Bühne wie Dirkschneider und Fish, E-Sänger von Accept und Marillion. Ebenfalls dabei: Nazareth, Running Wild, Ensiferum, Nightwish, Extrabreit, Fischer-Z, Danzig, Ghost, Dimmu Borgir, Stiff Little Fingers – sowie Otto Waalkes und die Friesenjungs.

Peter Intelmann

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