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Warschau ist gar nicht so weit entfernt

Warschau ist gar nicht so weit entfernt

Lübeck. „Polen und Deutschland – damals und heute“: Unter diesem Motto fand am Donnerstag in St. Aegidien das Jahreskonzert der Stiftung zum 7. Dezember 1970 statt. Es wurde zu einem bewegenden, aber auch fröhlichen Erinnern an Willy Brandts Kniefall in Warschau vor 47 Jahren.

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Bläser des polnischen Brass Quintetts.

Quelle: Foto: Dirk Silz

Wenn man in Lübeck um 6.41 Uhr in den Zug steigt, kann man um 16.06 Uhr in Warschau sein. Mit diesem Hinweis wurden die Besucher in der voll besetzten Kirche nach einem zweieinhalbstündigen Programm verabschiedet und zum gemeinsamen Beisammensein eingeladen. Die Verbindung Lübeck- Warschau war der rote Faden, der sich durch den Abend zog. Der Impuls des gebürtigen Lübeckers Willy Brandt, in Warschau vor dem Denkmal für die ermordeten Juden im Warschauer Ghetto auf die Knie zu fallen, wurde in seiner eingespielten Radioansprache an die Deutschen deutlich.

Musiker aus Deutschland und Polen – die Marien Brass, das Quintet of Polish National Symphony Orchestra sowie der Marienorganist Johannes Unger – knüpften das musikalische Band zwischen den Ländern mit bekannten klassischen Werken und einer kraftvollen musikalischen Reminiszenz an einen polnischen Priester, der sich in Auschwitz für einen Mithäftling geopfert hat.

Besonders lebendig wurde die Idee des deutsch-polnischen Miteinanders durch den Kabarettisten und Moderatoren Steffen Möller, den es bereits in den 1990er Jahren nach Polen zog und der bei seinen Erinnerungen an die ersten Erfahrungen mit der polnischen Sprache für viele Lacher sorgte. Nachdenkliches Schweigen herrschte, als es um Ressentiments zwischen deutschen, polnischen und jüdischen Studenten in Warschau ging. Sein Fazit: Miteinander reden, den Dialog nie abbrechen lassen. Ganz im Sinne Willy Brandts. Insofern lenkte dieser Abend den Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. Bis zur Erkenntnis: Warschau ist gar nicht so weit entfernt. ph

LN

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