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Warum sind Konzerttickets so teuer?

Lübeck Warum sind Konzerttickets so teuer?

Die Deutschen geben weit mehr für Live-Musik aus als für Platten und CDs — Experte: Hohe Ticketpreise sind eine Sache des Marktes.

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Lübeck. Lübeck. Wenn im Juli Rihanna im Hamburger Volksparkstadion spielt, kann — wer mag — einen Sitzplatz buchen, gepolstert, für 125,90 Euro. Bei Mariah Carey im April in München kostet ein Ticket bis zu 177 Euro. Da ist Sting mit 80,90 Euro in der Berliner Waldbühne noch vergleichsweise günstig.

Konzerte sind ein teurer Spaß geworden. Aber die Deutschen scheint das wenig zu stören. Immerhin geben sie mittlerweile fast doppelt so viel für Live-Musik aus wie für Platten, CDs und Musikdateien, heißt es in der aktuellen Studie „Musikwirtschaft in Deutschland“. Und das waren zuletzt mehr als 2,5 Milliarden Euro jährlich.

Von Albumverkäufen zu leben wird in digitalen Zeiten immer schwerer. Rihanna etwa führte Mitte 2012 zwar die britischen Albumcharts an, hatte aber nur 9578 Exemplare verkauft. Konzerte sind daher für Musiker enorm wichtig. Aber wenn man Mick Jagger von den Rolling Stones folgt, waren sie das schon immer. Von Anfang der 70er bis Ende der 90er habe sich mit Platten „eine sehr, sehr kurze Zeit lang Geld machen lassen“, sagte er, aber das sei nun vorbei.

Seit 2005 seien die Umsätze der Konzertbranche in Deutschland höher als die der Plattenfirmen, schreibt der Autor und Konzertveranstalter Berthold Seliger in seinem lesenswerten Buch „Das Geschäft mit der Musik“. Das eigentliche Geld werde immer weniger mit der Musik verdient, sondern „immer mehr mit den Nebenrechten, von Merchandising bis Sponsoring. Vor allem aber mit dem Ticketing.“ Und da führt in Deutschland und Europa kaum etwas an CTS Eventim vorbei. Etwa 80 Prozent aller Pop- und Rocktickets hierzulande werden von dem börsennotierten Unternehmen verkauft, schätzen Branchenexperten. Eventim-Gründer Klaus-Peter Schulenberg, der mal als Manager des Schlagerbarden Bernd Clüver begann, zählt heute zu den Milliardären.

Im Grunde aber sind Ticketpreise eine Sache von Angebot und Nachfrage, sagt Johannes Raetz, Dozent für Marketing und Management an der „Akademie Deutsche Pop“ in Leipzig. Es werde mehr und mehr Geld für Konzerte, Festivals und Musicals ausgegeben, aber meist würden nur die großen Künstler immer teurer, während den Kleinen und Newcomern die Besucher fehlten. Wer mit der Familie zu AC/DC gehe, dem bleibe halt oft kein Budget für kleinere Konzerte, habe der verstorbene Impresario Fritz Rau das Problem auf den Punkt gebracht.

In der Regel trügen die Veranstalter das Risiko. Ihnen werde vom Management oder einer Agentur eine Band offeriert, sie könnten Angebote abgeben, und dann werde das beste herausgesucht. „Es ist eine Art Versteigerung“, sagt Raetz. Und wo die Künstler früher meist einen Sockelbetrag erhielten und alles darüber hinaus zwischen ihnen und dem Veranstalter aufgeteilt wurde, werde heute in der Regel mit Festgagen gearbeitet.

Und wenn da die Forderungen zu hoch seien, könne es passieren wie 2007 bei der Deutschlandtour der Rolling Stones, dass zu wenige Karten verkauft werden. Weil die Band aber laut Verträgen nur vor ausverkauftem Haus habe spielen wollen, sei wie in Frankfurt rasch noch die Bühne in der Arena umgebaut und so der Raum verkleinert worden. Manche Karten habe man gar verschenkt. Und der Veranstalter sei hinterher bankrott gewesen.

In Großbritannien seien Konzerte deutlich teurer als in Deutschland, so Raetz. In Frankreich dagegen würden viele Clubs staatlich gefördert, weswegen die Preise dort auch niedriger lägen. Und wie geht es weiter? „Es ist halt eine Frage des Marktes“, sagt er. „Solange die Leute es bezahlen, werden wir uns an höhere Preise gewöhnen müssen.“ Peter Intelmann

LN

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