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Was von Wacken 2017 bleibt

Wacken Was von Wacken 2017 bleibt

Eindrücke vom Heavy-Metal-Spektakel mit Emperor, Apocalyptica, Marilyn Manson und Alice Cooper.

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Am Sonntag begann bereits das große Aufräumen auf dem Festivalgelände: Besucher haben ihre verschlammten Schuhe zu einem Grabmal arrangiert.

Quelle: Foto: Christophe Gateau/dpa (2)

Wacken. Man sollte wirklich nicht zu lange auf einer Stelle im wadentiefen Schlammmeer auf dem Festivalgelände des 28. Wacken Open Air verharren. Umso schwerer fällt es, sich wieder aus der klebrig-braunen Umklammerung zu lösen und dabei womöglich die ersten Töne seiner auf dem üppigen Spielplan ausgesuchten Metal-Helden zu verpassen. Wohlgemerkt ist dieser Umstand in Wacken klassisch, schlicht der ganz normale Wahnsinn. Mit einer gewissen Portion Humor oder Ignoranz lebt es sich da entschieden besser. Und so haben Festivalbesucher vor ihrer Abreise am Sonntag ihre verdreckten Treter auf einen Haufen geworfen und mit einem Kreuz versehen: Ruhe in Frieden.

LN-Bild

Eindrücke vom Heavy-Metal-Spektakel mit Emperor, Apocalyptica, Marilyn Manson und Alice Cooper.

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Zuvor hatten sie noch ein üppiges Musikangebot wahrgenommen, das für Regen, Schlamm und Sturm entschädigte. Emperor lieferten den düsteren Soundtrack zum sich anbahnenden nassen Unheil. Doch die norwegischen Black-Metaler schienen auch das Wetter zu beherrschen – es blieb trocken. Kopf- und Haare schwingend sägte Gitarrist Tomas „Samoth“ Haugen seine Riffs in die Bühnenbretter und Drummer Bard „Faust“ Eithun drosch in ungeheurem Tempo auf seine Trommeln ein. Mit dem gutturalen Gesang von Vegard „Ihsahn“ Tveitan vermengte sich alles zu einem Soundbiest, das einem auch noch hunderte Meter entfernt an der Fressmeile die Rauke von der Pizza pustete.

Entgegen dieser martialischen Spielart besannen sich nebenan auf der Harder-Stage die Finnen von Apocalyptica mit ihrem Cello-Rock auf ihr Debütalbum „Plays Metallica by Four Cellos“. Apropos Metallica. Die neunmaligen Grammy-Preisträger bleiben ihre Wacken-Präsenz nach wie vor schuldig und doch wehten ihre Melodien über das Festivalgelände.

Aber warum Metallica, wenn man auch Marilyn Manson haben kann? Die Band um den gleichnamigen Frontmann ist dem klassischen Songwriting zuzuordnen. Amerikas Feindbild, Anti-Christ und Schock-Rocker spannte zunächst jedoch auf die Folter. Minutenlanges Intro zu „The End“ von den Doors , eine monströse Nebelwand bauschte sich auf, die alsbald ein greller Schrei durchdrang, bis einen der Opener „Revelations No. 12“ sofort abholte. Dazu Mansons Erscheinung: weiß geschminkt in schwarzem Trenchcoat – und seine unverwechselbarer Stimme.

Und dann kam am Schlusstag noch ein zweites Urgestein auf die Bühne: Alice Cooper (69). Mit seiner üppig besetzten Band (drei Gitarren) beschallte der Vater des Schock-Rock das volle Infield vor den beiden größten Bühnen. Er trug blutverschmierte Kittel oder Zwangsjacke und ließ sich unter einer Guillotine zum Schein köpfen. Die Songs des neuen Albums rockten solide im klassischen Gewand.

Die Organisation war wieder gnadenlos: Der Ablaufplan musste eingehalten werden, die Auftritte von 150 Bands mussten synchronisiert werden. Marilyn Manson weiß: „Das ist Deutschland!!“ Vielmehr: Das ist Wacken!

Auch das ist Wacken: Nach drei Tagen Metal taucht bei der Bilanz-Pressekonferenz Alice Cooper auf. Der gibt wieder, was ihm der 2015 verstorbene Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister kurz vor seinem Tod sagte: „Alice, ich habe aufgehört, Whisky zu trinken, ich trinke jetzt Wodka.“

Nach Wacken ist vor Wacken

75000 Besucher haben zwischen dem vergangenen Mittwoch und Sonntagmorgen Wacken wieder zur drittgrößten Stadt Schleswig-Holsteins gemacht.

Die Feuerwehr berichtet, sie habe 13 Feuer gelöscht, darunter einen brennenden Wohnwagen, einen Pkw und mehrere Dixi-Toiletten. Ein Patient wurde aufgrund von schweren Brandverletzungen mit dem Rettungshubschrauber in eine Fachklinik geflogen. Die Polizei notierte in der Wacken-Woche rund 270 Verkehrsverstöße, darunter 17 Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss. Die Helfer des DRK Kaltenkirchen behandelten im Sanitätszelt, dem „WOA-Krankenhaus Wacken“, mehr als 2600 Patienten mit Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, aber auch mit Schürfwunden und Verletzungen der Füße.

Wacken 2018: Wenige Stunden nach dem Start des Kartenvorverkaufs für die 29. Auflage des Heavy-Metal-Festivals waren gestern bereits mehr als 25000 Tickets weg. „Der Vorverkauf läuft sehr gut. Tendenziell sollte man sich lieber jetzt sein Ticket sichern“, sagte eine Sprecherin des Festivals. Auch im kommenden Jahr werden wieder 75 000 Besucher erwartet.

Thorben Bull

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