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Kultur im Norden Wechselspiel zwischen Arbeit und Freizeit
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18:13 17.08.2016

. Dass zwischen Arbeitszeit und Freizeit unterschieden wird, ist noch gar nicht lange her. Erst im 19. Jahrhundert, im Zusammenhang mit der Vermehrung industrieller Arbeitsplätze, entwickelte sich ein Bewusstsein dafür, dass man der Belastung von Körper und Geist mit bewusster Entlastung jenseits des Arbeitsalltags begegnen muss. Sportvereinen kam die Aufgabe zu, die monotone Tätigkeit von Arbeiterinnen und Arbeitern mit Spiel und Muskeltraining zu kompensieren.

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Arbeiterinnen turnen in ihrer Freizeit.

Der Hamburger Fotograf Johann Hamann (1859-1935), einer der Pioniere seiner Zunft, dokumentierte das Thema in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe hat jetzt 45 Abzüge zu einer Ausstellung zusammengestellt. „Arbeit/Freizeit“ ist der Titel, auf sepiafarbenen Bildern zeigt die Schau Kinderarbeit in der Landwirtschaft, aus den Kontoren oder auch deutsche Wirtschaftsflüchtlinge. Zum Thema Freizeit gibt es Bilder von Turnvereinen: Frauen in Pluderhosen beim Handstand, Männer beim Bock- und Stabhochsprung.

Johann Hamann eröffnete 1889 im Hamburger Armeleutequartier Gängeviertel sein Atelier, das er von 1900 an gemeinsam mit seinem Sohn Heinrich (1883-1975) betrieb. 2400 Fotoabzüge aus dem Nachlass der beiden befinden sich seit den 1990er Jahren in den Beständen des Museums, große Teile davon wurden erst jetzt inventarisiert und sind in der Sammlung online zugänglich. Teresa Gruber und Esther Ruelfs, Kuratoren der Ausstellung, zitieren Theodor W. Adorno zum Thema Arbeit und Erholung: Der Philosoph betrachtete Freizeit „als Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie (die Arbeiter) in dem entfremdeten Arbeitsprozess verausgabten“.

• „Arbeit/Freizeit bei J. Hamann“, bis 6. November, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz.

LN

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