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19:12 10.11.2017
„Liebe auf den ersten Kratzer“. Preisträgerin Line Hoven (Jahrgang 1977) vor ihren Arbeiten. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
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Lübeck

Schabekarton nennen sich die Technik und das Material. Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien entwickelt, wurden sie in den Fünfzigerjahren vor allem in der Werbegrafik gern verwendet. Heute arbeiten nur noch wenige damit. Die in Hamburg lebenden ComicZeichnerin und Illustratorin Line Hoven ist eine von ihnen.

Bis 11. Februar

„Scratch my back“ heißt die Ausstellung. Sie wird morgen um 11.30 Uhr eröffnet und läuft bis 11. Februar. Die Laudatio auf Line Hoven wird der Autor Jochen Schmidt halten, mit dem sie häufig zusammengearbeitet hat. Die Meid-Stiftung wurde 1993 u. a. von Meids Sohn Max gegründet.

Sie hat die schwarz-weiße Kunst beim Studium an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften kennengelernt und sagt: „Es war Liebe auf den ersten Kratzer.“ Heute arbeitet sie nur noch so, auch wenn es Zeit braucht und Geduld. An einem Bild, vielleicht zwölf mal zwölf Zentimeter, sitzt sie schon mal 30 Stunden. Wie ein Bildhauer entfernt sie alles Überflüssige, was spätestens sehr filigran wird, wenn es um feinste Linien oder Schriften in den Bildern geht. Aber sie sei nicht die überragende Zeichnerin und die Schabetechnik für sie „perfekt“, sagt sie.

Jetzt hat sie den mit 15000 Euro dotierten Hans-Meid-Preis gewonnen, der an den großen Grafiker, Maler und Illustrator Hans Meid (1883-1957) erinnert und grundsätzlich alle zwei Jahre vergeben wird. Und weil Behnhaus-Chef Alexander Bastek seit 2009 dem Kuratorium der Meid-Stiftung angehört und jetzt zudem den Vorsitz führt, wird der Preis in diesem Jahr in Lübeck überreicht. Zu der Auszeichnung gehört auch eine von Bastek kuratierte Ausstellung, die heute um 11.30 Uhr im St. Annen-Museum eröffnet wird.

Etwa 200 Arbeiten hängen auf mehreren Etagen, nicht nur von Line Hoven. Von ihr aber ist unter anderem ihre Diplomarbeit „Liebe schaut weg“ zu sehen, in der sie die Geschichte ihrer Familie über vier Jahrzehnte hinweg erzählt. Es gibt Beispiele für ihre Comicarbeiten, aber auch für ihre Illustrationen in Büchern, Zeitungen oder Magazinen wie der „Zeit“, „Chrismon“ oder „Le Monde diplomatique“.

Und immer wieder funkelt da ein schöner Humor aus den Schraffuren, der sich farblich den schwarzen Flächen des Schabekartons anpasst. Man sieht ihn in dem „Dudenbrooks“-Alphabet, das in 26 Folgen in der „FAZ“ erschien und in dem man lange mit den Augen herumgehen kann, bevor man dem jeweiligen Buchstaben auf die Spur kommt. Man sieht ihn aber auch bei Manets „Picknick im Grünen“ à la Hoven, bei dem nicht die Frau, sondern der Mann keine Kleider anhat. Oder bei Grant Woods „American Gothic“, bei dem einen nicht ein US-Farmer-Paar ansieht, sondern Kermit und Miss Piggy.

Neben Bildern von Line Hoven und Hans Meid selbst sind auch Werke Lars Henkels zu sehen. Er hat den Meid-Preis 2015 erhalten, arbeitet mit einer Collagetechnik samt Computer und Fotografie und ist laut Alexander Bastek „einer der großen Könner“ in diesem Genre. Im zweiten Obergeschoss sind Arbeiten aus dem Meid-HochschulWettbewerb ausgestellt. Gut 50 Lehrstühle für Buchillustration und Grafik gebe es in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sagte der Behnhauschef. Die würden alle um Vorschläge gebeten, dieses Jahr habe es 21 Nominierungen gegeben, und aus denen wurden vier Förderpreisträger ausgewählt.

Im Kellergeschoss finden sich unter dem Titel „Von Meid bis Z“ Bilder aus der Rüxleben-Sammlung. Sie umfasst Künstlerselbstporträts, die neben Werner Tübke, Max Slevogt oder Paul Wunderlich eben auch Hans Meid zeigen – und Baldwin Zettl, Meid-Preisträger 1996.

Für 2019 ist eine Meid-Liebermann-Ausstellung im Behnhaus geplant. Sie waren zwar Konkurrenten, und Max Liebermann war nicht begeistert, dass Meids Arbeiten teurer gehandelt wurden als seine, aber ihm ist es wohl zu verdanken, dass Meid im Ersten Weltkrieg nicht an die Front musste.

Peter Intelmann

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Sie ist 22 Jahre alt, klein, und wirkt fast zerbrechlich. Sie kommt aus Memphis, ist lesbisch und gläubige Christin. Das passt alles zusammen, sagt Julien Baker. Und wenn sie Gitarre spielt und singt, dann kommt viel Gefühl, Wut, Trauer, Verzweiflung, Hoffnung . . . ja, und auch Liebe aus ihren Songs.

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