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Weltstars im Wohnzimmer

Papendorf Weltstars im Wohnzimmer

Die Villa Papendorf bei Rostock bietet ab 13. Februar in ihrer fünften Saison 35 Konzerte und Begegnungen im kleinen Rahmen.

Papendorf . Papendorf? In Mecklenburg? Nie gehört. Die Agenten waren leicht irritiert, als Olav Killinger Musiker und Schauspieler von Rang und Namen ins 2500-Seelen- Dorf an der Peripherie von Rostock holen wollte — in ein Haus mit gerade mal 85 Plätzen, ein bislang weißer Fleck auf der Kulturlandkarte. Doch der Hamburger Kaufmann überzeugte mit Charme und seinem Konzept, Künstlern in fast privatem Rahmen und stilvollem Ambiente ein Podium zu bieten.

Weltstars im Wohnzimmer, lautet sein Slogan. Von dieser Idee ließen sich sehr schnell Musiker wie der Pianist Sebastian Knauer, der Cellist Mischa Maisky, die Violinisten Saschko Gawriloff und Frank Peter Zimmermann oder Schauspieler wie Gudrun Landgrebe, Hannelore Elsner, Ulrich Noethen oder Martina Gedeck überzeugen. Inzwischen geht den Künstler- Agenten der Ort Papendorf leicht über die Lippen. „Wir bekommen zahlreiche Angebote. Und wer einmal hier war, kommt gerne wieder.“ Ein schöner Erfolg in der erst fünften Saison der Villa Papendorf.

Was bisher geschah: Olav Killinger (47) übernahm die Villa seines Urgroßvaters Heinrich Höpner im Jahr 2007. Die Familie war 1950 nach Hamburg gezogen, die Jugendstilvilla wurde kommunal genutzt und verfiel zusehends. Killinger ließ sie denkmalgerecht sanieren und hatte die Idee, das Haus mit Kunst und Kultur zu beleben. „Aber nicht als einer unter vielen. Die Villa Papendorf sollte für Qualität stehen.“ Um einen Ruf zu erlangen, musste erst mal Glanz in die Hütte. So bemühte sich der Unternehmer um große Namen. Das Konzept ging auf. „Die Nähe zum Publikum, die familiäre Atmosphäre machen einen besonderen Reiz aus.“ Killinger holt viele Künstler selbst vom Flughafen ab und kocht nach den Konzerten Spaghetti. Bei Pasta und Rotwein werden die Abende lang, denn die meisten Künstler übernachten in der Villa. „Wenn Mischa Maisky dann sein schmutziges Geschirr abräumt oder Frank Peter Zimmermann morgens an der Kaffeemaschine steht, sind das schon besondere Momente.“

Diese Nähe genießen auch die Besucher, wenn sie nach den Veranstaltungen noch mit den Künstlern reden oder Selfies machen können. „Die Gäste kommen inzwischen aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland. Sie sagen mir, dass sie die Musik auch woanders hören könnten, aber sie lieben den fast privaten Rahmen.“

So ist auch für die 35 Veranstaltungen in diesem Jahr die Nachfrage bereits groß. Den Auftakt macht am 13. Februar die Pianistin Elisabeth Leonskaja mit einem Schubert-Programm. In der Reihe „Klassik ganz privat“ stehen bis zum Sommer Virtuosen an der Violine im Fokus, etwa Isabelle Faust im März oder Arabella Steinbacher im Juli. Im Herbst setzt Killinger den Akzent aufs Klavier, so haben Pianisten wie Yefim Bronfman und Evgeni Koroliov ihren großen Auftritt. „Ich möchte auch Musikern, die am Anfang ihrer Karriere stehen, ein Podium bieten“, erklärt Killinger. So sind im Dezember drei Studenten von Evgeni Koroliov am Klavier zu erleben.

„Außer der Reihe“ sind schwedischer Folk, Papendorfer Swing und Astor Piazzolla zu hören. Die „Begegnungen im Salon“ mit Rezitation und Musik führen Klaus Maria Brandauer mit „Ein Atheist von Gottes Gnaden“, Gudrun Landgrebe („Lebende Ware“), Friedrich von Thun („Der alte Mann und das Meer“), Barbara Auer („Verführversuche“) und Marie Bäumer („Die Kunst der Fuge“) in die Villa.

Auch für 2017 steht das Programm bereits. Dann wird es wieder ein Cello-Festival geben, „mit elf Cellisten von Kanada bis Japan“, verspricht Olav Killinger. Nein, ein Geheimtipp ist Papendorf längst nicht mehr.

www.villa-papendorf.de

Petra Haase

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