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Wenig Lohn – und Angst vor Altersarmut

Düsseldorf Wenig Lohn – und Angst vor Altersarmut

Studie: Immer mehr Schauspieler und Musiker sorgen sich um ihre Zukunft.

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Düsseldorf. . Vielen Schauspielern und Musikern droht wegen niedriger Gagen und nur zeitweiser Engagements die Altersarmut. Das geht aus einer Studie über ihre Arbeitsbedingungen hervor. Vier von fünf Künstlern sehen demnach ihre Arbeit als zu schlecht vergütet an und befürchten Altersarmut. Mehr als zwei Drittel beklagen, dass zum Beispiel Proben nicht bezahlt würden. Die Studie auf Grundlage von 22 Experteninterviews und einer trotz hoher Beteiligung als nicht repräsentativ geltenden Umfrage wurde von der Künstlerinitiative „art but fair“ erstellt. Diese 2013 von dem Hagener Musical-Produzenten Johannes Maria Schatz gegründete Initiative kämpft für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in der Branche.

Im Jahr 2014 verdienten laut der Studie die bei der Künstlersozialkasse versicherten darstellenden Künstler durchschnittlich knapp 15000 Euro brutto im Jahr und Musiker knapp 13000 Euro. Das Durchschnittseinkommen fest angestellter Künstler liegt mit knapp 35 000 Euro deutlich höher.

In der Umfrage gaben 40 Prozent der Künstler ein durchschnittliches Netto-Einkommen aus künstlerischer Tätigkeit von unter 10000 Euro im Jahr an. Bei gut einem Drittel lag das Jahreseinkommen zwischen 10000 und 20000 Euro. Allerdings wurden keine Angaben über mögliche Teilzeitarbeit oder weitere nicht-künstlerische Nebenverdienste gemacht.

Je kurzfristiger ein Engagement sei, umso schlechter seien die Arbeitsbedingungen und umso niedriger die Gagen, sagte Schatz. Fest angestellte Künstler seien von den Missständen dagegen weniger betroffen. Frauen würden außerdem in der Theater- und Musiktheaterbranche schlechter als Männer in vergleichbaren Positionen bezahlt.

Um die Missstände abzuschaffen, setzt die Initiative nun auf ein Gütesiegel für fair arbeitende Institutionen. „Das müsste so etwas wie ein Kultur-Tüv sein“, so Schatz. Die bisherige freiwillige Selbstverpflichtung in der Branche habe dagegen ihre Ziele nicht erreicht.

Auch fest angestellte Künstler könnten wegen niedriger Einkommen oftmals nur geringe Rentenversicherungsbeiträge einzahlen. Noch schwieriger sei die Lage für Selbstständige und nur zeitweise beschäftigte Künstler. Manche Künstlergruppen wie Tänzer müssten wegen der hohen körperlichen Belastungen zudem früher aus dem Berufsleben ausscheiden.

Die Zahl der Künstler, die auf Basis von Gast- oder Werkverträgen an Theatern arbeiten, hat sich in den vergangenen 20 Jahren von etwa 8000 drastisch erhöht und lag 2013/14 bei mehr als 25

000. Die Zahl der fest angestellten Theatermitarbeiter ist zuletzt leicht auf gut 39000 gestiegen. D. Hülsmeyer

LN

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