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Wenn Kunst unter die Haut geht: „7 Schwestern“ und „Stille Post“

Börzow Wenn Kunst unter die Haut geht: „7 Schwestern“ und „Stille Post“

Werkstattplauderei mit Antje Rabe zum Tag der offenen Töpferei / Die Objektkünstlerin und Keramikerin bietet am Wochenende in Börzow „begegnungsräume“.

Börzow. Antje Rabe ist wieder mit dabei. Wenn jetzt am Wochenende zum Tag der offenen Töpferei sich deutschlandweit über 600 Werkstätten an der Aktion beteiligen, lädt auch die Keramikerin und Objektkünstlerin wieder nach Börzow ein. Und wie immer, seit sie 2010 ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt in den kleinen Ort in der Gemeinde Stepenitztal verlegt hat, stellt die 43-Jährige ihre Ausstellung unter ein Thema. „begegnungsräume“ heißt es in diesem Jahr.

 

LN-Bild

Antje Rabe mit dreien ihrer Installationen. Von vorn: „Unter der Oberfläche“, „7 Schwestern“ und „Stille Post“.

Quelle: Fotos: Cornelia Roxin, Privat

Keramik ist meine Sprache.“ Antje Rabe, Keramikerin und Objektkünstlerin

Mal schnell anmelden zum Tag der offenen Töpferei, dann zwei Tage die Werkstatt offen halten — so einfach macht sich das Antje Rabe nicht. Die Vorbereitungen zum aktuellen Ausstellungsthema beschäftigen sie schon seit einem halben Jahr. „Das ist etwas anderes, als den Menschen auf einem Töpfer-Markt zu begegnen“, erklärt sie ihren Anspruch an eine Einladung in die eigene Werkstatt. Sie will die Menschen dann begleiten, die sich zu ihr auf den Weg machen. Nicht selten würden sie dafür nämlich lange Wege in Kauf nehmen.

Verbindungen will Antje Rabe schaffen. Nicht nur die Werkstatt als Raum für das Begegnen an sich öffnen, sondern in diesem Raum den Besuchern auch mentalen Raum für Begegnung und Austausch schaffen.

Mit ihrer Kunst. „Keramik ist meine Sprache“, sagt sie. Es sei nicht nur das künstlerische Objekt. Es gehe auch um den Bogen, den sie spannen möchte. Vom Material Ton ausgehend, dessen Vielseitigkeit zeigen und ihre Arbeitstechniken, wie den von ihr bevorzugten japanischen Raku-Brand. Schnittpunkte deutlich machen will Antje Rabe nicht nur bei Materialien und fügt erklärend hinzu, wie sie sich auch über die künstlerische Arbeit ihrer selbst erst einmal bewusst werden müsse, um sich einzulassen mit anderen. Philosophieren lässt sich gut mit der Frau, die das Töpferhandwerk erst als erwachsene Frau zwischen 1998 und 2000 gelernt hat. Sie sagt es so: „Sprache ist die Struktur. Das Gefäß, in das wir unsere Worte gießen, mit dem wir andere Personen einfühlsam auf- und annehmen. Wir können Sprache sowohl in inneren Dialogen, als auch in Gesprächen mit anderen anwenden und so Räume für Begegnung schaffen.“ So viel zur Theorie.

Praktisch wird es, als Antje Rabe erzählt, dass der aktuellen Ausstellung ein Impuls zugrundeliegt, der auf den Erfahrungen, Fragen und Erkenntnissen einer Ausstellung in Stresdorf bei Gadebusch basiert. „Unter der Oberfläche“ hieß die gemeinsame Aktion mit der Schmiede Radsack, einem französischen Fotografen und Rundfunkleuten vom Hörspiel zu „Kunst offen“ im Vorjahr. Antje Rabe zeigte 2015 dazu Schichten-Installationen aus korrodierter Metallplatte, Keramik und Glas. Die Künstlerin darüber: „Der offene bewertungsfreie Blick unter die Oberfläche schafft Begegnungen und somit die Chance auf Räume des Vertrauens.“ Diese Schichten ihrer Installation hält sie in gewisser Weise für vergleichbar mit der menschlichen Haut.

Nicht nur die Schichten-Installationen wird Antje Rabe nun am Wochenende zeigen, sondern auch die „Sieben Schwestern“ genannte neue. Die will sie als künstlerische Tagebücher verstanden wissen. Die Keramikschalen verschiedenster Formen und Farben, die auf in einem Metallgestell gelagerten Drahtglasplatten stehen, „verkörpern dinghaft die Sprache des Menschen , ebenso die Verantwortung für den eigenen Raum und den Mut zur Selbsterkenntnis“, beschreibt Antje Rabe. Die Installation „Stille Post“ erinnert an einen gedeckten Tisch. Und was es mit den auf feinem Pergament festgehaltenen lyrischen Texten — versteckt in feinem, weißen Porzellan, das wie eine Serviette anmutet — auf sich hat, das erfährt nur der, der sich morgen und übermorgen aufmacht nach Börzow.

Tag der offenen Töpferei, 12. und 13. März, 10 bis 18 Uhr, Rakukunst Antje Rabe, Börzow, An der Kirche 10, die Künstlerin bietet auch Kulinarisches an

Mecklenburg-Vorpommern neunmal dabei

Christiane Gregorowius (56) war es, die den Tag der offenen Töpferei nach Mecklenburg-Vorpommern holte.

Die Töpferin mit Meisterabschluss lebt und arbeitet jetzt in Dambeck. Und wie der Zufall es wollte, hatte die 1960 in Sachsen-Anhalt Geborene während eines Töpfermarktes Kontakt zur Töpferei Kröner aus demselben Bundesland. Die Intention der Berufskollegin aus dem Süden war es, die Mecklenburger und die Vorpommern mit ins Boot zu holen. Christiane Gregorowius engagierte sich und seitdem gilt sie als federführend, geht es in Mecklenburg-Vorpommern um den Tag der offenen Töpferei. Das macht sie nun schon das neunte Jahr. So lange gibt es die Aktion im bundesweit jetzt zum elften Mal stattfindenden Veranstaltungsreigen.

Aus Nordwestmecklenburg nehmen in diesem Jahr 13 Werkstätten teil, deutschlandweit sind es über 600, in Mecklenburg-Vorpommern machen 93 mit. 2015 waren es 92. Beim Start 2008 waren 50

Werkstätten dabei, für den Nordwestkreis gingen damals sechs Teilnehmer an den Start. Teilnahmebedingung: Selbstständigkeit, der Beruf gilt dem Broterwerb. Im Nordwestkreis führt Franziska Otto

(31) in Neschow mit der 2016 eröffneten Werkstatt die jüngste eingerichtete. Dörte Michaelis aus Vogelsang ist mit 58 Jahren am längsten im Kollegenkreis, Werkstatt-Gründung: 1983.

coro

• Alle Teilnehmer: www.tag-der-offenen-toepferei.de/indexmecklenburg.htm

Über Antje Rabe

1972 wurde Antje Rabe in Halle/Saale geboren. Die inzwischen zweifache Mutter hat ein Fachschulstudium mit dem Abschluss Kinderkrankenschwester absolviert, war anschließend in der Kunsttherapie tätig und kann auch auf eine Ausbildung zur Sozialtherapeutin mit Auslandsaufenthalten in Russland, Istrien und der Schweiz verweisen.

In der Zeit zwischen 1998 und 2001 absolvierte Antje Rabe eine Keramikerausbildung bei Birke Kästner. 2010 wurde sie in den Landesverband Kunsthandwerk Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen, 2011 in den Landesverband der Bildenden Künstler in MV.

Von Cornelia Roxin

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