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Kultur im Norden Wenn Orient auf Okzident trifft
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18:10 08.08.2018

Es ist eine gängige Konzertpraxis, dem Publikum in einem gemischten Programm auch zeitgenössische Kompositionen näherzubringen. Wobei Reza Vali noch lange nicht zu den Neuntönern gehört– er komponiert auf der Basis von armenischen und persischen Volksklängen neue frische Werke. Mit Kian Soltani und Aaron Pilsan hat das SHMF zwei starke junge Interpreten ins Programm gehoben, mit dem die beiden Österreicher am gestrigen Mittwoch auch in der Elbphilharmonie auftraten.

Der erst 26-jährige Cellist Kian Soltani, Perser aus dem österreichischen Bregenz, begeistert mit seinem Charisma, vor allem aber mit einem leidenschaftlichen Spiel, das er mit seinem Klavierpartner Aaron Pilsan teilt. Die Stärke des Duos liegt im gegenseitigen Respekt vor der Virtuosität des Partners, in der nahtlosen Kongruenz des Spiels, der Leidenschaft für die Musik und dem unbedingten Willen, das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Genau das ist ihnen in Pronstorf mit ihren federleicht gespielten Interpretationen geglückt. Das Publikum trampelte, klatschte und jubelte, den gefühlten 40 Grad auf dem Heuboden über dem Kuhstall zum Trotz.

Doch neben der charmant-charismatischen Attitüde kann Kian Soltani auch feinnervig spielen, wie er gleich im ersten Satz von Johann Sebastian Bachs Sonate für Viola da Gamba und Klavier in G-Dur bewies. Mit einer Prise Übermut glitt er ins erste Allegro, gefühlvoll ins Andante, um das Allegro moderato forsch anzugehen.

Kompromisslos, fast brutal jede Satzvorgabe noch einmal verschärft widerspiegelnd, kam die Cello-Klavier-Sonate, e-Moll, Opus 38, von Johannes Brahms über die Rampe. Mit Robert Schumanns Toccata, Opus 7, und Arabesque, Opus 18, glänzte Pianist Aaron Pilsan mit einer temperamentvollen Interpretation, die er so sanft ausklingen ließ, dass sekundenlang absolute Stille unter den nahezu 700 Zuhörern herrschte.

Dann folgte die Konfrontation zwischen Okzident und Orient in der wundervoll vereinigenden Komposition des 66-jährigen Iraners Reza Vali, eine Auftragsarbeit des Duos Soltani und Pilsan, die in diesem Stück in einen absoluten Dialog zueinander finden und sowohl die Melancholie, die Trauer über den armenischen Holocaust durch die Türken als auch die persischen Liebesschwüre in ihrem atemraubenden Spiel widerspiegeln.

Nach dem Grand Tango von Astor Piazzolla war das Publikum vollends begeistert und durfte noch zwei Zugaben, das sehr komische und mit Lust gespielte „New York Honk“ von Thomas Demenga und Schumanns „Du bist wie eine Blume“, hören. lin

LN

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