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Kultur im Norden Wenn das Kino ins Exil geht
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19:12 18.11.2016
Szene aus „Das Lied vom Leben“ (1931). Der jüdische Regisseur Alexis Granowsky floh aus der Sowjetunion, später aus Deutschland. FOTO: CINEGRAPH

. Die Festivalmacher wurden regelrecht überrollt. Denn das Thema „Gebrochene Sprache – Filmautoren und Schriftsteller des Exils“ des diesjährigen Cinefestes in Hamburg stand längst fest, als sich eine große Zahl von Flüchtlingen nach Mitteleuropa aufmachte. So wie viele deutsche Künstler während des Nationalsozialismus mussten nun viele Kulturschaffende aus Nordafrika und dem Nahen Osten ihrer Heimat den Rücken kehren. Swenja Schiemann von Cinegraph, dem Hamburgischen Centrum für Filmforschung und Veranstalter von Cinefest, sagt: „Die traurige Aktualität und die Brisanz war nicht vorhersehbar.“ Eine Diskussion über die Chancen und Hürden für Filmschaffende im Exil findet im Rahmen des Festivals am kommenden Mittwoch in der Hamburger Zentralbibliothek statt.

Das Cinefest, ein internationales Festival des deutschen Film-Erbes, beschäftigt sich mit Karrieren von Drehbuchautoren und Schriftstellern, die aus politischen oder rassistischen Gründen verfolgt wurden. Filmfreunden ist Billy Wilder (bürgerlich: Samuel Wilder) ein Begriff. In Deutschland stand er hinter der Kamera, bevor er 1934 vor den Nazis in die USA floh und dort als Regisseur weltberühmt wurde.

Von heute an sind im Kino Metropolis eine Woche lang knapp 30 internationale Produktionen zu sehen. Schwerpunkt sind die 1930er und 1940er Jahre. Filmhistorikerin Swenja Schiemann: „Wir zeigen Filme, die während des Exils oder danach in wechselnden Sprachräumen entstanden sind und stellen sie in einen kulturhistorischen Zusammenhang.“ Zum Auftakt wird „Das Lied vom Leben“ gezeigt, ein 60-minütiger Film, den Alexis Granowsky 1930/31 in Hamburg gedreht hat. Der experimentelle Spielfilm greift Stilmittel des sowjetischen Avantgardefilms auf.

Parallel zum Filmfestival tagt der 29. Internationale Filmhistorische Kongress. Eine Ausstellung begleitet das aktuelle Cinefest. Sie ist bis zum 2. Dezember in der Zentralbibliothek zu sehen.

dku

Info: www.cinefest.de

LN

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