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Kultur im Norden Wenn der Horror Alltag wird
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18:14 10.05.2016

Kommissar Sörensen steht vor den Trümmern seines Lebens, seine Ehe ist gescheitert, und Angstattacken setzen ihm zu. Einen Ausweg sucht er in seiner Versetzung von Hamburg in das beschauliche Katenbüll in Nordfriesland. Wie so oft entpuppt sich indes die Provinz als der größte Sündenpfuhl. Innerhalb von zwei Tagen hat Sörensen zwei Mordopfer am Hals. Erleichtert wird seine Arbeit auch nicht durch die undurchsichtigen Beziehungen, in denen die Einwohner des Städtchens zueinander stehen. Sörensen als Außenseiter kann da nur anecken. Auch weitere Leichen lassen nicht auf sich warten.

Sven Stricker zeigt mit seinem neuen Krimi „Sörensen hat Angst“, wie eng Komik und Tragik beieinander liegen können. Sein Roman ist geprägt von norddeutsch-trockenem Humor bis hin zur Groteske. Glücklicherweise verflacht er jedoch nicht in Klamauk, sondern präsentiert hinter der kleinstädtischen Wohlanständigkeit soziale Abgründe wie zerrüttete Familien, Kindesmissbrauch und häusliche Gewalt.

„Sörensen hat Angst“ von Sven Stricker. Rowohlt Verlag, Reinbek. 432 Seiten. 9,99 Euro.

Thomas und Ann ziehen mit ihren beiden Kindern in ein abgelegenes Haus am Waldesrand. Hier finden sie und ihre kleine Tochter, ein Schreibaby, endlich die ersehnte Ruhe. Thomas genießt die Nähe zur Natur, Ann dagegen bedrückt die Einsamkeit immer mehr. Eines Nachts dann die Katastrophe: Fremde Männer überfallen die Familie und erpressen Geld. Das Ganze geht einigermaßen glimpflich aus, und doch ist danach nichts mehr, wie es war. Die Sicherheitsparanoia des Vaters nimmt bald zerstörerische Ausmaße an.

Der Ausgangspunkt in Robert Williams drittem Roman „Tief in den Wald hinein“ ist zugegebenermaßen durchaus etwas an den Haaren herbeigezogen. Wer zieht schon in den Wald, nur um ein Schreibaby zum Verstummen zu bringen? Doch davon abgesehen ist das Buch ein unter die Haut gehender Psychothriller. Williams zeigt mit gespenstischer Eindringlichkeit, was passiert, wenn der Horror plötzlich in den Alltag eindringt und einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Es ist dabei auch ganz unerheblich, dass der Leser von Beginn an die Täter kennt.

„Tief in den Wald hinein“ von Robert Williams. Berlin Verlag, Berlin. 304 Seiten. 9,99 Euro.

LN

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