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Wenn der Meister sein Songbook öffnet

Lübeck Wenn der Meister sein Songbook öffnet

Albert Hammond? Das war doch der Sänger, der behauptet hat, dass es im Süden von Kalifornien niemals regnet.

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Albert Hammond spielte im Kolosseum mit seiner Band zwei Stunden ohne Pause Hit auf Hit.

Quelle: Foto: Feldhoff

Lübeck. Natürlich, das war er, oder besser: Das ist er. Dass Albert Hammond außer seinem größten Hit noch sehr viel mehr erfolgreiche Songs für sich und viele Kollegen geschrieben hat, konnte man am Sonntagabend beim Konzert im ausverkauften Lübecker Kolosseum erleben.

Zwei Stunden ohne Pause stand der Mann aus Gibraltar mit seiner hervorragenden Band (Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards) auf der Bühne, das Publikum war außer sich und entließ den Singer/Songwriter erst, als er nach dem Zugabenblock auch noch „The Air that I Breathe“ angestimmt hatte, einen Song, den Hammond 1972 für die Hollies geschrieben hat.

1972 – das ist mittlerweile 45 Jahre her, Albert Hammond wird im nächsten Monat 73, seine Fans sind mit ihm gealtert. Aber seine ersten Erfolge hatte der Mann mit der Vokuhila-Frisur schon in den 1960er Jahren. 1968 schrieb er für den Sänger Leapy Lee „Little Arrows“, eine eher banale Nummer, die in England bis auf Platz 2 der Charts kletterte. Das war Hammonds erster Streich – viele andere folgten.

Und man fragte sich beim Konzert im durch die Bühnenshow kräftig vernebelten Kolosseum unwillkürlich immer wieder, was eigentlich den Erfolg von Albert Hammond ausmacht. Als Sänger gehört er nicht in die alleroberste Kategorie – aber er ist authentisch. Gertenschlank, in Jeans, Jeansjacke und mit weißem T-Shirt gekleidet und mit Turnschuhen an den Füßen wirkt er auf den Bühne wie ein ganz normaler Mensch, als Entertainer zeigt er auch große Qualitäten und viel Charme.

Was Albert Hammond aber vor allem auszeichnet, ist seine Fähigkeit, eingängige Melodien zu schreiben, diese in ebenso eingängigen Harmonien zu setzen und dann mit leicht nachvollziehbaren Arrangements zu versehen. Das ist eine Kunst für sich, die Hammond wie kaum ein zweiter Songwriter beherrscht.

Für Julio Iglesias schrieb er unter anderem den Song „To all the Girls I’ve Loved Before“, den Willie Nelson dann auch noch zum Hit machte, für Whitney Houston „One Moment in Time“, für Tina Turner „I Don’t Wanna Lose You“ und für Leo Sayer „When I Need You“. All diese Songs klingen vertraut, auch, wenn Albert Hammond sie selber singt. Diese Mainstream-Musik ist seine künstlerische Welt, mit ihr macht er seit Jahrzehnten Menschen glücklich – auch das war im Kolosseum zu erleben.

Man fühlte sich in diesem Klangerlebnis irgendwie zuhause, geborgen und auf das Angenehmste unterhalten. Das galt auch für die wenigen neueren Songs des Programms, die genauso wie die alten klangen. Albert Hammond, der nebenbei auch bewies, dass er ganz vorzüglich mit einer akustischen Gitarre umgehen kann, ist eben wirklich authentisch, von „Gimme Dat Ding“ bis zu „I’m a Train“ klang alles ehrlich, das war handgemachte Musik der allerersten Klasse. Und welcher Musiker bringt es schon fertig, sein Songbook aufzuschlagen und zwei Stunden lang nur Hits zu spielen, die alle aus seiner Feder stammen? Man kann den Songs von Albert Hammond seit Jahrzehnten kaum aus dem Weg gehen, warum auch. Denn sie sind zum allergrößten Teil wirklich gut, die Menschen lieben sie – und sie lieben auch Albert Hammond, den Menschen. Wahrscheinlich, weil die Fans mit ihrem Idol gealtert sind. Ein großer Abend im Kolosseum.

Hits in aller Welt

Albert Hammond wurde 1944 in London geboren. Einige Monate nach seiner Geburt gingen seine Eltern mit ihm zurück nach Gibraltar, wo die Wurzeln seiner Familie liegen. Mit 14 Jahren absolvierte Hammond mit seinem Freund Richard Cartwright seine ersten Auftritte. 1960 verließ er die Schule und gründete mit Cartwright und weiteren Musikern die Band „The Diamond Boys“. Im Alter von 18 Jahren zog Hammond zurück nach England, wo er 1966 Mike Hazlewood traf. Gemeinsam schrieben die beiden Lieder für andere Interpreten. Der erste Welthit der beiden wurde 1968 „Little Arrows“ mit Leapy Lee.

Jürgen Feldhoff

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