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Wenn sich Schwere mit Leichtigkeit paart

Groß Grönau Wenn sich Schwere mit Leichtigkeit paart

Die Galeristen Ulf Müller und Dorle Petzinna stellen in Groß Grönau Werke der Berliner Malerin Birgit Borggrebe aus.

Groß Grönau. „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust...“ Das berühmte Faust-Zitat trifft auch auf die Bilder von Birgit Borggrebe zu: In ihnen stecken Schwere und Leichtigkeit. Die Gegensatzpaare sind wie siamesische Zwillinge miteinander verbunden. Das Tiefgründige ergibt sich aus den Themen, die die Künstlerin umtreiben. Das Schwebende, Zarte, Lebensfrohe haucht sie ihren Bildern mit Farbe ein. Sie greift zu Pink, Lila, Rot, Gelb, Grün, Hellblau oder Türkis, die das Dunkle kontrastieren und gleichzeitig abmildern.

Die Basis ihrer Werke sind Fotos. Parallel dazu beginnt die Künstlerin zu malen. Auf die bemalten Leinwände bringt sie Siebdrucke ihrer am Bildschirm bearbeiteten Fotos auf. Auf diese Oberfläche kommen weitere Schichten: „Öl, Acryl, Kreide — ich nehme alles, was mir in die Finger kommt,“ sagt Birgit Borggrebe. So wird im Zyklus „Alles, was passiert“ ihr Blick auf 9/11 oder Fukushima kein Schocker, sondern ein Hingucker. Das Auge wird durch die Farbenpracht betört. Erst auf den zweiten Blick kommt das Dunkle, Bedrückende in den menschenleeren Bildern zum Vorschein. Ihren Zyklus von 2013, in dem sich die Wahlberlinerin mit den fatalen Folgen der Stadtentwicklung und der Globalisierung auseinandersetzt, nennt sie ironisch-sarkastisch „Rosa Zeiten“. In ihren „Gegenlicht“-Werken (2014) beleuchtet sie Vergangenheit und Zukunft, spürt dem Weg nach von ihrer Kindheit im Sauerland bis zu ihrem heutigen Leben als freischaffende Künstlerin.

Den Schwerpunkt der neuen Ausstellung „Himmelsromantik“ bei Müller & Petzinna bildet der Zyklus „Sehnsuchtsorte“. Hier geht es weniger um konkrete geografische Orte als vielmehr um Gefühle, Emotionen, Stimmungen. In der Groß Grönauer Galerie, die in diesem Jahr ihr zehntes Bestehen feiert, sind mehr als 40 Bilder von Birgit Borggrebe auf unterschiedlichen Formaten zu bewundern — von 190 × 160, über 100 × 80 bis zu 100 × 120 Zentimeter oder kleiner.

Birgit Borggrebe hat in Dortmund Architektur studiert und ist „dort hängengeblieben“. Sie hat bis 1997 als Architektin gearbeitet, „dann hat mich mein jetziger Mann erlöst“, scherzt sie. Mit dem gebürtigen Berliner zog sie in die Hauptstadt.

Vernissage: Heute, 19 Uhr, Müller & Petzinna, Groß Grönau, Hauptstr. 49 a, Kreis Herzogtum Lauenburg. Die Ausstellung läuft bis zum 20. März.

D. Kurz-Kohnert

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