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Kultur im Norden Wer wird Nachfolger von Bob Dylan?
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18:13 02.10.2017
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Stockholm

Und sie hofft darauf, dass ihre Wahl dieses Mal weniger heikel ist als die im vergangenen Jahr, als Bob Dylan sich sehr lange zierte, bis er den Preis schließlich doch annahm. Jury-Chefin Sara Danius spricht spricht denn auch nur vom „Dylan-Abenteuer“ und scheint froh, dass es endlich überstanden ist. Doch geht die Akademie deshalb auf Nummer sicher?

Nobelpreiskandidatin Margaret Atwood. Quelle: Foto: Dpa

„Ich denke, jetzt ist AdenauerZeit: keine Experimente“, sagt der schwedische Verleger Svante Weyler. In den vergangenen Jahren habe die Akademie Grenzen sprengen wollen. „Wenn sie das aber so weiter macht, wird der Preis seine Autorität verlieren“, warnt er und charakterisiert die Jury so: „ein gewisser Konservatismus mit kleinen Überraschungen alle paar Jahre“.

Es könnte also in diesem Jahr auf einen Klassiker hinauslaufen. Auf den Wettlisten bei Anbietern wie Ladbrokes dominieren jedenfalls bekannte Namen wie der Japaner Haruki Murakami, die Kanadierin Margaret Atwood und der Israeli Amos Oz. Das sagt allerdings wenig. Zuletzt hatten sich die Gewinner häufig erst in letzter Minute unter die Top Fünf gestohlen.

Ganz oben steht der Kenianer Ngugi Wa Thiong’o – auch einer der ewigen Favoriten, die am Ende dann doch nie zu gewinnen scheinen. „Wir wissen: Wenn jemand drei Jahre auf der Shortlist der Nobeljury gestanden und keine Mehrheit bekommen hat, ist er weg vom Fenster“, sagt Weyler.

Könnte es trotzdem Zeit für einen afrikanischen Literaturnobelpreisträger sein? Der „wahrscheinlichste Kandidat“ sei dann tatsächlich Wa Thiong’o, meint der Literaturwissenschaftler Stefan Helgesson von der Stockholmer Universität. Auch Nuruddin Farah aus Somalia hätte den Preis verdient.

Doch kann man überhaupt fragen: Wer ist dran? Die Jury verneint immer, dass sie ihre Entscheidungen auf Proporz gründet. Das wäre auch unfair, meint Weyler. „Wenn man jedem Kontinent gleich viele Preise gäbe, wäre das, als würde man sagen: Deutschland hat zu viele Fußball-Weltmeisterschaften gewonnen, jetzt ist jemand anderes dran.“

Was aus Sicht von Kennern auch gegen einen Afrikaner spricht, ist der Kulturunterschied. Echte afrikanische Literatur werde in Europa – auch von der westlich geprägten Nobel-Jury – oft nicht verstanden. So habe der Meister unter Afrikas Literaten nie einen Nobelpreis erhalten: der 2013 verstorbene Chinua Achebe, der so afrikanisch und authentisch geschrieben habe wie kaum ein anderer.

„Ich würde eher nach Europa schauen, jetzt, da die USA einen Preisträger haben“, sagt Mikael van Reis, ExKulturchef von „Göteborgs Posten“. Deutschsprachige Autoren wie Botho Strauß dürfe man nicht vergessen: „,Die Fehler des Kopisten‘ ist ein sehr guter Roman und ,Paare, Passanten‘ hervorragende Prosa.“ Auf den Wettlisten allerdings taucht Strauß nicht auf.

LN

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