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Kultur im Norden Werwolf, Macher, Kämpfer und Schönling
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18:14 08.08.2017

Frankfurt/Main. Nicht nur Reagan und Schwarzenegger, auch Donald Trump hat in vielen Filmen mitgewirkt. Mit seinen Auftritten verfolgte er eine Strategie, glaubt Urs Spörri vom Deutschen Filminstitut. Der Frankfurter Filmwissenschaftler hat Trumps Auftritte analysiert. 25 Einsätze in Film und Fernsehen hat Spörri gezählt – sie zeigten den derzeitigen US-Präsidenten an der Seite von Filmgrößen wie Whoopi Goldberg, Hugh Grant und Ben Stiller.

Meist sind es sogenannte Cameo-Auftritte: Trump spielt sich selbst. Zum Beispiel in „Kevin allein in New York“, der Fortsetzung von „Kevin allein zu Haus“. Der Junge irrt durch eines von Trumps Luxushotels. Im Vorbeigehen fragt er einen Mann, wo die Lobby sei. Der Mann ist Trump. Sein einziger Satz: „Runter und dann links.“ Angeblich war das ein Deal: Auftritt gegen Drehgenehmigung. „Und so flimmert Trump seither an jedem Weihnachtsfest über die Bildschirme der westlichen Welt“, sagt Urs Spörri.

Auch die anderen Auftritte, so kurz und schlecht sie auch sein mögen, verfolgen ganz klar eine Absicht, glaubt der Film-Experte: ein Image zu schaffen. „Trump hat eine Kunstfigur geschaffen, die unangreifbar ist“, sagt Spörri. Zum Beispiel in der Serie „Sex and the City“, in der Trump lediglich an einem Tisch sitzt, aufsteht und wortlos das Lokal verlässt. Sein Gesprächspartner baggert daraufhin eine Blondine an: Sie habe ihn so betört, dass sein Deal mit Trump geplatzt sei, sie schulde ihm nun 150 Millionen Dollar – Trump der Super-Reiche. In „Der Prinz von Bel-Air“ mit Will Smith fällt dessen Freund in Ohnmacht, als Trump ins Zimmer kommt. In „Spin City“ mit Michael J. Fox verblüfft er den (Film-)Bürgermeister von New York, indem er sich auf dessen Platz setzt und Anweisungen gibt – Trump der Macher. In dem wohl kuriosesten Filmschnipsel, den Spörri ausgegraben hat, spielt Trump eine Art Werwolf, der die Gestalt von Donald Trump angenommen hat, um eine Bank auszurauben. „Night Man“ heißt die ironische Serie. Der Bösewicht, der aussieht wie Trump, wird freudestrahlend vom Bankchef empfangen, der ihm 10000 Dollar aushändigt und fragt, ob es vielleicht auch ein bisschen mehr sein darf.

Mit seinem Vortrag ist Spörri demnächst in ganz Deutschland unterwegs. Er erwähnt darin natürlich auch Trumps Casting-Show „The Apprentice“ mit dem berühmten Satz „You're fired!“ und die unzähligen Trump-Parodien, von Jimmy Fallon bis Alec Baldwin.

Donald Trumps größter schauspielerischer Misserfolg war „Mein Geist will immer nur das eine“ von 1989. „Für diesen Film gewann Trump sogar die Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller des Jahres“, berichtet Spörri. Trump spielt an der Seite von Bo Derek und Anthony Quinn – was sonst – einen Geschäftsmann. Seine Verhandlungspartner versuchen es mit Schmeicheleien: „You’re too pretty to be bad“ (Sie sehen zu gut aus, um böse zu sein). So kriegen sie ihn rum.

Sandra Trauner

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