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Wie Lübeck sich vor den Piraten rettet

Lübeck Wie Lübeck sich vor den Piraten rettet

Eine große Uraufführung hat es am Theater Lübeck lange Zeit nicht mehr gegeben. Am Donnerstag um 18 Uhr ist es soweit, dann hat das Musical „Die Marzipanpiraten“ von Heiko Woltersdorf Premiere.

Dietrich Neumann (rechts) ist der Hauptmann der Wache, Guillermo Valdés (vorne) spielt den jungen Bäcker Antonio.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Mitgewirkt haben Wolfram Eicke, Hartwin Lemke und Nicole Felden. „Ein Musical für kleine und große Piraten zwischen 7 und 100 Jahren“ nennt das Theater das Stück.

Inszeniert wird es von Jennifer Toelstede, die musikalische Leitung liegt bei Jan-Michael Krüger.

Erzählt ist die Geschichte schnell: Eine wohlhabende Hansestadt, hinter der sich natürlich Lübeck verbirgt, wird von Piraten angegriffen. Deren Anführer, Kapitän Niederstrecker, hat es auf das Gold der Kaufleute abgesehen und belagert die Stadt. Die Bürger leisten tapfer Widerstand, aber die Vorräte gehen zur Neige, eine Hungersnot beginnt. Gemeinsam mit dem spanischen Bäcker Antonio entdecken einige Kinder geheime Lebensmittelvorräte in einem Versteck des Bäckermeisters Mehlich. Nach einem alten Rezept aus Antonios Heimat stellen sie aus den Mandeln eine süße Masse her und formen daraus kleine Figuren: Marzipanpiraten. Doch dann muss Antonio fliehen und fällt Niederstrecker in die Hände. Die Lage scheint gefährlich, bis er einen Marzipanpiraten aus seinem Bündel hervorzieht und dem Kapitän in die Hand drückt. Jetzt stellt sich die Frage, ob die kleinen, süßen Piraten den großen, alles andere als süßen Piraten in seinem Furor besänftigen können – oder nicht.

Diese Frage wird aber erst auf der Bühne beantwortet. Regisseurin Jennifer Toelstede ist überzeugt davon, dass das Stück, an dem Heiko Woltersdorf jahrelang gearbeitet hat, bei Kindern und bei Erwachsenen ankommt. „Es gibt ja bereits ein Hörspiel und ein Buch über die Marzipanpiraten. Daraus haben wir eine Bühnenfassung gemacht, die rund zwei Stunden dauert“, sagt sie. „Einige Gags sind tatsächlich nur für Erwachsene zu verstehen, an den Slapstickszenen werden aber auch die Kinder ihre Freude haben.“

Es ist die erste große Inszenierung von Jennifer Toelstede, die am Theater Lübeck als Regieassistentin arbeitet. Überhaupt sind die „Marzipanpiraten“ ein Produkt aus der Beckergrube: Komponist und Librettist Heiko Woltersdorf spielt Kontrabass bei den Lübecker Philharmonikern. Die Arbeit an den „Marzipanpiraten“ muss allen Beteiligten viel Freude bereitet haben. Jennifer Toelstede: „Die Stimmung war von Anfang an sehr gut. Und das, obwohl die Inszenierung alles andere als einfach gestrickt ist. Das Stück ist sehr reichhaltig und hat viele Facetten. Action, Dialoge, Tanz, Gesang – das alles musste zusammengeführt werden.“ Immerhin sind 34 Mitwirkende auf der Bühne des Großen Hauses zu sehen, die die Geschichte der Piraten und der belagerten Stadt dem Publikum vermitteln sollen. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit so vielen Tänzern, Schauspielern, Sängern und Statisten zu arbeiten“, sagt die Regisseurin.

Nun kennt man ja einschlägige Piratenfilme, von „Der Herr der sieben Meere“ mir Errol Flynn bis zu der hochkomischen Reihe „Fluch der Karibik“. Wie kommt man mit Mitteln des Theaters gegen diese cineastische Bilderflut an? „Wir bringen das Stück im Comic-Stil auf die Bühne“, sagt Jennifer Toelstede. „Es sind auch immer wieder moderne Elemente zu sehen, wir bewegen uns also nicht nur im späten Mittelalter. Es sind Leute von heute, die das Stück spielen. Vor allem aber beziehen wir das Publikum mit ein – das kann das Kino nun wirklich nicht.“

Kollisionen mit der Fußball-EM fürchtet Jennifer Toelstede nicht. Die Anfangszeiten sind 18, beziehungsweise 15 Uhr, die Spiele mit deutscher Beteiligung beginnen erst um 21 Uhr. Jürgen Feldhoff

Premiere: Morgen um 18 Uhr.

Süße Verführung aus dem Orient

Marzipan hat seinen Ursprung im Orient, auch wenn es einer lokalen Legende nach 1407 in Lübeck entstanden sein soll. Dort soll nach einer Hungersnot dieses „Brot“ erfunden worden sein, als es in der Stadt nur noch Zucker und Mandeln gab. Marzipan wurde vermutlich in Persien zuerst hergestellt. Es kam im Mittelalter mit den Arabern nach Europa, durch Spanien, wo es populär wurde. Das „Marzipan de Toledo“ ist auch heute noch einer der bekanntesten weltweit. In Venedig wurde es im 13. Jahrhundert als Marzapane erwähnt. Im 14. Jahrhundert war Marzipan beim gehobenen europäischen Adel als Konfekt sehr beliebt. Laut Mercks Warenlexikon von 1920 findet sich die Bezeichnung Marzipan in Lübecker Zunftrollen um 1530.

LN

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