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Wie aufgezogen: Automaten in der Musik

Lübeck Wie aufgezogen: Automaten in der Musik

Lübeck. Orgelkonzerte im Sommer – in Lübeck eine fast alltägliche Angelegenheit. Es musste schon etwas Besonderes her, um die Jakobikirche zu füllen.

Lübeck. Lübeck. Orgelkonzerte im Sommer – in Lübeck eine fast alltägliche Angelegenheit. Es musste schon etwas Besonderes her, um die Jakobikirche zu füllen. Das Besondere war zum einen Wolfgang Sandberger, zum anderen ein Thema. Sandberger, Chef des Brahms-Instituts, führte ins späte 18. Jahrhundert, als das Metronom erfunden, die Mechanisierung angebetet wurde. Die Faszination von Automaten machte vor der Musik nicht Halt, sagte Sandberger. „Haydn wie aufgezogen“ lautete deshalb das Thema.

Im Märchen war es die künstliche Nachtigall, die vor dem Kaiser von China sang, in der Wiener Musikwelt die Flötenuhr, ein mechanisches Werk, auf dessen Walze Stifte gesteckt wurden, die beim Drehen die Töne auslösten. Sandberger erzählte, Arvid Gast lieferte auf den historischen Orgeln die Musik dazu. Natürlich waren geschickte Übertragungen nötig, um die Flötentöne auf die Orgel zu transportieren.

Da das erste Beispiel „Wachtelschlag“ einen Vogel im Titel hatte, stellte sich bei den folgenden Liedchen die Assoziation zur trillernden Lerche oder einem ganzen Vogelchor fast automatisch ein.

Seriöser wurde es bei zwei Sätzen aus Haydns Sinfonie Nr. 101, die mit dem Zunamen „Die Uhr“. Aufregend interpretierte Arvid Gast ein Stück aus dem Jahre 2012, vom Lübecker Kollegen Franz Danksagmüller für die Stellwagenorgel von St. Jakobi geschrieben. „Circuli“ ließ an ein Perpetuum mobile denken, ahmte mit Stöhnen und Ächzen, mit eingefügten Melodiefetzen, mit Zirpen und Röhren den mechanischen Musikautomaten nach. Rauschender Beifall nach anregenden 100 Minuten.   Konrad Dittrich

LN

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