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Wie der Klang des Klaviers sich änderte

Wie der Klang des Klaviers sich änderte

Ein Konzert mit vier verschiedenen Instrumenten soll technische uns musikalische Entwicklungen verdeutlichen.

„Hören Sie? Der Ton ist sofort da, ist nicht sonderlich laut und verschwindet sehr schnell wieder“, sagt Klavier—Professor Manfred Aust. Er sitzt in einem Raum der Musikhochschule an einem Cembalo. Dann wechselt er an einen Blüthner-Flügel aus den 1870er Jahren. Er schlägt einen Akkord an: „Hier ist der Ton schon sehr viel länger und voller. Und außerdem kann man durch die Härte des Anschlags die Lautstärke verändern, durch die Pedaltechnik kann man den Klang weiter differenzieren.“ Als nächstes setzt sich Aust an einen modernen Steinway-Flügel und spielt einige Takte aus dem dritten Klavierkonzert von Beethoven. „Beethoven wäre von dem orchestralen Klang eines modernen Flügels begeistert gewesen. Steinway hat die Entwicklung des Klaviers auf das heutige Niveau gebracht, unter anderem durch die Patentierung des dritten Pedals und die Überkreuz-Spannung der Saiten. Dadurch ergibt sich eine wunderbare Verschränkung der Obertöne.“

Manfred Aust, gefeierter Klaviervirtuose und ausgebildeter Cembalist, spielt in einem Konzert des Brahms-Festivals, das den Wandlungen des Klaviers gewidmet ist. Auf dem Programm stehen Werke von Bach, Brahms, Robert Schumann und Charles Martin Loeffler (1861-1935). Verschiedene Instrumente kommen hier zum Einsatz: Cembalo, der frühe Blüthner-Flügel von 1856 aus dem Brahms-Institut, ein moderner Steinway und ein Pleyel-Flügel von 1910. „Auf einem modernen Flügel kann man eigentlich alles sinnvoll spielen“, sagt Aust. „Das ist eine Frage der Anschlagtechnik und des Pedaleinsatzes.

Und dennoch haben die Klaviere alle eine eigene Klangfärbung.“

Moderne Steinways zum Beispiel „singen“ viel mehr, alte Blüthner-Instrumente hingegen „sprechen“, ihr Klang ist deutlich perkussiver und kann sogar an ein Hackbrett erinnern. „Franz Liszt etwa spielte am liebsten Bösendorfer-Flügel“, sagt Aust. „Es macht daher Sinn, seine Musik auf einem solchen Instrument zu spielen. Das gilt für Chopin und seine bevorzugten Eraard-Flügel ebenso. Man kann aber auch moderne Instrumente einsetzen.“ Der Pleyel-Flügel, der über einen besonders weichen, schon fast süßen Klang verfügt, eignet sich besonders für die Musik von Charles Martin Loeffler, der dem französischen Impressionismus nahestand. Auch das Klavier hat sich verwandelt — die Vielfalt hat dadurch zugenommen. Fel

Konzert am Dienstag, 26. April, um 19.30 Uhr im Großen Saal.

LN

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