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Kultur im Norden Wie hält sie’s mit der Religion?
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20:49 16.01.2017
Hamburg

Lina Beckmann darf man als Star des Hamburger Schauspielhauses bezeichnen. Jetzt machte die Schauspielerin die deutsche Erstaufführung von „The Who and the What“ von Ayad Akhtar zum Ereignis. Sie spielt darin eine intellektuelle Muslima, Tochter eines pakistanischen Migranten und Taxiunternehmers in Atlanta.

Konfliktreiche Familienbande: Lina Beckmann als Zarina und Ernst Stötzner als ihr Afzal. Quelle: Foto: Dpa

In Karin Beiers Inszenierung muss Beckmann sich als Zarina der Zumutungen ihres in der Tradition verhafteten Vaters Afzal erwehren. Der Witwer verschafft der seiner Meinung nach nicht mehr ganz frischen Tochter zunächst über ein Dating-Portal einen Mann. Das ist zum Teil komisch und wird in gehobener Boulevard-Manier behandelt, als wär’s ein Konversationsstück von Yasmina Reza.

Genre-typisch gibt ein Wort das andere, doch hinter den munteren Dialogen lauern bedrohliche Dissonanzen, die den familiären Kitt sprengen. Zarina schreibt unter Qualen ein Buch über Religionsdinge.

Wer ist der Prophet und was haben wir aus ihm gemacht?, fragt sie. Und auch: Welches Frauenbild haben seine Nachfolger verordnet? Es kann nicht ausbleiben, dass die kluge Frau zur Erkenntnis gelangt, dass Gott und Religion nun einmal von Menschen gemacht sind – für den in Lebenslügen gefangenen Patriarchen blasphemische Demütigungen. Ernst Stötzner verleiht diesem in der westlichen Welt nie ganz angekommenen Charakter dennoch Stolz und Integrität. Beckmann aber spielt eine Tochter, die auf so komplizierte und innige Weise mit dem Vater verbunden ist, dass der Bruch auch für die Zuschauer kaum auszuhalten ist.

Als Islam-Komödie sollte man das Stück nicht auffassen. Es ist vielmehr ein Familiendrama, das so ähnlich auch im katholischen Milieu spielen könnte. Leider hat Akhtar seinem Stück ein sentimental-versöhnliches Ende verpasst, das an die Konfliktlösungen im amerikanischen Kino erinnert. Das nimmt ihm die Tiefe. mib

Weitere Vorstellungen: 21. und 24. Januar, jeweils 20 Uhr.

LN

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