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Wie stellt man Literatur aus?

Lübeck Wie stellt man Literatur aus?

Internationale Tagung in Lübeck befasst sich mit Strategien für Museen wie das Buddenbrookhaus.

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Ausstellung mit Hörstationen: Museumsleiterin Birte Lipinski in der Kafka-Schau im Buddenbrookhaus.

Quelle: Fotos: Lutz Rößler, Wolfgang Maxwitat, Dpa

Lübeck. In Deutschland gibt es immer mehr Literaturhäuser und Autoren gewidmete Museen. Lübeck ist schon lange mit dem Buddenbrook- und dem Grass-Haus dabei, beide Museen haben hohe Besucherzahlen, neben der reinen Ausstellungstätigkeit sind sie auch als Veranstaltungsorte erfolgreich. Dennoch wird darüber nachgedacht, wie man Literatur noch besser in einem Museum vermitteln kann. Eine internationale Tagung beschäftigt sich am Wochenende in Lübeck mit diesem Thema.

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Internationale Tagung in Lübeck befasst sich mit Strategien für Museen wie das Buddenbrookhaus.

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„Die Daueraus-

stellung im Buddenbrook-

haus war vor

15 Jahren vorbildlich. Jetzt ist sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit.“ Hans Wißkirchen

Veranstaltet und organisiert wird die Veranstaltung von der Graduate School „Practices of Literature“ der Universität Münster, in der Doktoranden und Dozenten verschiedener Fachgebiete verschiedenste Themen aus den Bereichen Literatur/Literaturwissenschaft sowie deren Anwendungsgebiete bearbeiten. Die Grundfrage der Tagung lautet dann auch: „Was kann von Literatur als individuellem Lektüreerlebnis oder einer für den Moment konzipierten Performance bewahrt und gezeigt werden?“ Im Klartext: Es stellt sich die Frage, wie man Literatur und Kunstauktionen bleibend vermitteln kann.

„Vor 15 Jahren waren wir mit unserem Konzept des ,begehbaren Romans‘ im Buddenbrookhaus führend in Deutschland“, sagt dazu Hans Wißkirchen, Leiter der Lübecker Kulturstiftung. „Das ist oft kopiert worden mittlerweile, der Ansatz trägt immer noch. Aber der Rest der Dauerausstellung muss dringend neu gestaltet werden.“ Und dazu bietet sich durch den Erwerb des Nachbarhauses Mengstraße 6 natürlich eine optimale Möglichkeit. Aber welche Tendenzen herrschen derzeit vor in der Gestaltung von Literaturmuseen? Wißkirchen: „Es gibt sozusagen einen doppelten Mainstream. Zum einen wird mit modernen digitalen Mitteln klassisch erzählt. Die andere Tendenz geht in die Richtung, über Exponate Geschichten und Geschichte zu erzählen.“

Dazu nennt Wißkirchen ein treffendes Beispiel. Bei all seinen vielen Umzügen und auch auf allen Exil-Stationen hatte Thomas Mann einen aus seiner Familie stammenden Bücherschrank bei sich, der heute im Buddenbrookhaus zu sehen ist. Allerdings nur von vorne. „Sieht man sich den Schrank aber von hinten an, entdeckt man die Zollstempel und Zollmarken aus Frankreich, aus der Schweiz und aus den USA.

So wird die komplizierte Lebensgeschichte Thomas Manns an einem Exponat greifbar.“

Originalität und Authentizität eines Gegenstandes erzeugen eine ganz gewisse Aura, weiß Wißkirchen und wird die Erweiterung der Dauerausstellung auf die Flächen im Haus Mengstraße 6 auch zumindest zum Teil in diese Richtung steuern. „Wir werden ,multiperspektivistisch‘ die Geschichte der Familie Mann erzählen, die Zeitgeschichte und die Geschichte der Literatur, die in dieser Familie entstanden ist. Aus Sicht von Thomas Mann, Heinrich Mann und Klaus Mann zum Beispiel. Aber alles wird im Buddenbrookhaus beginnen, dem Haus der Großeltern Thomas Manns.“ Dazu soll das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden, die ehemalige große Diele soll zum Beispiel wieder erstehen. Wie sich das letztlich alles darstellen wird, steht noch nicht fest. Zunächst muss geklärt werden, ob die aus der Fischstraße stammende Fassade des Hauses Mengstraße 6 an ihrem jetzigen Ort bleibt oder nicht. In der Tagung am Wochenende geht es jedoch um inhaltliche Perspektiven — bei Lübecks chronisch leeren Kassen ein echtes Problem. Fel

Die Tagung beginnt morgen um 10 Uhr im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung (Königstraße 42) und wird am Sonnabend um 9.30 Uhr fortgesetzt.

LN

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