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Kultur im Norden Wim Wenders in der Oper
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18:10 22.06.2017

Wie fühlen Sie sich als Neuling im Opern-Fach?

Wim Wenders: Uffjerecht, wo das ja nun mal in Berlin stattfindet. Ist ja aufregend, etwas zum ersten Mal zu tun. So viel auf einmal gibt es selten zu lernen. Im Film habe ich alles unter Kontrolle. In der Oper ist der Dirigent die ausschlaggebende Person, der Regisseur die zweite Geige. Wir machen gerade die Orchesterproben, und da stelle ich mit Freude fest, wie sehr die Regie der Musik zuarbeitet.

„Die Perlenfischer“ war die erste Oper, die Sie gehört haben.

Lange Zeit kannte ich sie in der Tat nur vom Hören. Gespielt wird sie ja nicht oft, zu Unrecht. Dann habe ich sie erst neulich zum ersten Mal gesehen, in einer Live-Übertragung aus der Met in New York, in einem Multiplex am Alexanderplatz. Da kamen die Leute sogar im schwarzen Anzug ins Kino. Danach wusste ich, wie ich die Oper bestimmt nicht machen will.

Was reizt Sie an den „Perlenfischern“?

Die Musik ist richtig toll. Ich finde es sensationell, dass Georges Bizet sie mit 24 Jahren geschrieben hat. Unvorstellbar! Wie viele Ideen der mit jugendlichem Elan da reingebuttert hat!

Nur von seinen Librettisten wurde er leider nicht so gut bedient. Als sie das fertige Werk sahen, waren sie etwas geknickt. Wenn sie gewusst hätten, dass dieser junge Mann so viel Talent hatte, sagten sie kleinlaut, hätten sie Bizet nicht einen solchen Bären aufgebunden, so wörtlich ihr französischer Ausdruck. Aber man kann die Geschichte freilegen, dann ist sie interessant. Eine klassische Dreiecksbeziehung.

Was kann der Opernregisseur Wenders vom Filmregisseur Wenders lernen?

Raumaufteilung. Das Licht. Für mich ist das Licht das Wichtigste nach der Musik. Das Licht erzählt auf der Bühne richtig viel. Man hat ja nur diesen einen Raum, und in dem kann nur das Licht neue Räume und Stimmungen schaffen. Unsere Oper spielt ja an einem Ort, der von jedermanns Phantasie schon sehr vereinnahmt ist: auf einer Insel.

Hatten Sie eine Bilderidee, als Sie die Oper zum ersten Mal hörten?

Ich habe die Musik der „Perlenfischer“ vor allem über die Arie des Nadir kennengelernt. Die setzte sich in meinem Kopf fest. Monatelang. Schließlich hatte ich auch die ganze Oper als Langspielplatte. Bilder hatte ich dazu nicht, zumindest keine konkreten. Das ist ja reine Sehnsuchtsmusik. Die Oper hatte ich nie gesehen, die lief einfach nirgendwo, wo ich war. Sie wird eben selten gespielt. Damals konnte man auch nicht einfach auf YouTube gehen wie heute, wo wir alles immer zur Verfügung haben. Als dann von Daniel Barenboim die Einladung kam, etwas zusammen zu machen, und das großzügige Angebot, dass ich dafür auch selbst einen Vorschlag machen könnte, da dachte ich: Wenn ich schon etwas zum ersten Mal machen darf, dann soll es auch etwas sein, was man nicht dauernd im Repertoire sieht, und habe eben die „Perlenfischer“ vorgeschlagen. Barenboim hat sich die Partitur durchgesehen. Er sagte: „Ja, das ist schön, das habe ich auch noch nie gemacht“, und hat zugestimmt.

In Ihren Filmen spielt Musik eine zentrale Rolle.

Ja. Von lateinamerikanischer Musik bis zu Rock’n’Roll, Blues und Fado. Klassik war nicht so oft dabei, auch wenn ich immer wieder mit orchestraler Musik gearbeitet habe, gerade auch beim Film „Himmel über Berlin“.

Haben Sie einen Bogen um die klassische Musik gemacht?

Ich höre viel klassische Musik. Aber Opern zu machen, das ist ein anderes Metier. Erstmals habe ich daran gedacht, als ich 2013 ein Angebot für den „Ring“ in Bayreuth bekam. Aber daraus wurde dann nichts. Und dann rief Daniel Barenboim an.

Oper ist bei Nicht-Operngängern als künstlich verschrien. Empfinden Sie das auch so?

Ja, mitunter. Bei manchen Opern geht mir das so, dass ich da nicht viel mit anfangen kann, weil ich in die Welt nicht reinkomme oder sie eben zu künstlich ist. Bei unseren „Perlenfischern“

habe ich gerade davor den größten Bammel gehabt. Aber kaum standen die Sänger vor mir, hat sich das gegeben. Da wurde alles recht „wirklich“.

Sie wollten mal Saxofonist werden?

Das Instrument kommt leider wenig vor im Orchester. Aber mit 21, 22 Jahren habe ich mein Tenorsaxophon verkauft und mir dafür eine 16-Millimeter-Kamera gekauft. Das war ein Scheideweg in meinem Leben, den ich aber nicht bereut habe.

Interview: Esteban Engel

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