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„Wir müssen nach Themen für ein jüngeres Publikum suchen“

Lübeck „Wir müssen nach Themen für ein jüngeres Publikum suchen“

Seit zehn Jahren gibt es eine gemeinsame Filmförderung von Schleswig- Holstein und Hamburg. Mit großem Erfolg, sagt deren Geschäftsführerin Maria Köpf.

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Der Film „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin mit Diane Kruger und Numan Acar in den Hauptrollen geht als deutscher Kandidat ins Oscar-Rennen. Auch er wurde von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt.

Quelle: Foto: Warner Bros/dpa

Lübeck. Was hat der Zusammenschluss der Filmförderungen Hamburgs und Schleswig-Holsteins gebracht?

 

LN-Bild

Maria Köpf ist Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein.

Quelle: Foto: Dpa

Maria Köpf: Die Fusion hat für beide Standorte sehr viel gebracht, sowohl in ökonomischer als auch in filmwirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Aus der Perspektive beider Länder ist es toll, dass wir die beiden Standorte gemeinsam für Dreharbeiten anbieten und vermarkten können. Das ist großartig, weil sich dadurch die norddeutsche Region ausgezeichnet positionieren und präsentieren kann.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ein herausragendes Beispiel ist die großartige Verfilmung der „Buddenbrooks“, die 2008 ins Kino kam. Einer der wichtigen Drehorte war Lübeck. Aber auch in jüngerer Zeit haben größere Dreharbeiten in beiden Regionen stattgefunden, etwa für „Magical Mystery“, einem Film, der gerade im Kino läuft und der unter anderem in Bad Segeberg und in Altona gedreht wurde. „25 km/h“ mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel wurde gerade in Haffkrug gedreht. Und wir sind sehr stolz darauf, dass wir bei der vergangenen Oscar-Verleihung neben Maren Ades „Toni Erdmann“ einen weiteren Kandidaten gefördert hatten. „Unter dem Sand“, eine dänisch-deutsche Koproduktion, wurde teilweise auf einer Militärbasis in Leck gedreht.

Welche wirtschaftlichen Vorteile gibt es durch die Fusion?

Gerade Schleswig-Holstein hat durch Dreharbeiten sehr profitiert. In den vergangenen zehn Jahren wurden Länder-Effekte von rund 20 Millionen Euro generiert. Dabei handelt es sich um Geld, das in Schleswig-Holstein ausgegeben worden ist. Über ein Drittel davon sind Lohnkosten, die von den Produzenten bezahlt worden sind. Hinzu kommen Ausgaben für Technik oder auch für Hotelunterbringung.

Insgesamt ergibt sich eine, wie ich finde, stattliche Summe.

Insgesamt aber ist die Lage nicht rosig, gerade, was das Kino angeht. Bei mittleren und kleineren Filmen sinken die Zuschauerzahlen. Muss man sich Sorgen machen?

Der Kinomarkt ist nach wie vor stark. Aber es gibt eine Verschiebung. Wenige erfolgreiche Filme erzielen einen Großteil der Erlöse. Zur Zeit warten alle gespannt auf „Fack ju Göhte 3“, der in diesem Monat ins Kino kommt. Tatsache ist, dass es immer mehr Filme gibt – etwa 230 kommen pro Jahr in die deutschen Kinos. Leider gehen die Deutschen deshalb nicht häufiger ins Kino, sondern statistisch konstant 1,4 mal pro Jahr.

Was bedeutet das? Laufen dem Arthouse-Kino die Zuschauer weg?

Bei Dokumentarfilmen sind die Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren aufgrund des Überangebots zurückgegangen. Kritisch ist es auch bei kleineren Arthouse-Filmen. Viele Filme haben weniger als 50000 Zuschauer, eine Entwicklung, die wir mit Sorgen beobachten.

Welche Erklärung haben Sie dafür?

Es gibt verschiedene Ansätze. Die einen sagen, dass es zu viele Filme auf dem Markt gibt. Andere sagen, dass eine Verschiebung auf Online-Angebote dafür verantwortlich ist, dass die jüngere Generation eher darauf zugreift und nicht mehr so gern ins Kino geht.

Wie sieht es mit einer anderen Erklärung aus: Vielleicht sind einige Filme nicht stark genug und kommen deshalb beim Publikum nicht an?

Das ist eine Frage, mit der wir uns beschäftigen müssen. Wir müssen verstärkt nach Themen suchen, die ein jüngeres Publikum erreichen.

Wäre es sinnvoll, weniger Produktionen zu fördern, für diese aber mehr Geld auszugeben?

Es gibt ein Spannungsfeld, in dem wir uns befinden. Filme mit einem größeren Budget auszustatten, die stärker wahrgenommen werden, beziehungsweise Filme, die international produziert werden, aber hier spielen. Gleichzeitig gibt es eine große Zahl an Produzenten in beiden Bundesländern, die nachhaltige Arbeit leisten und die auf Förderung angewiesen sind.

Wie sieht eigentlich das finanzielle Engagement Schleswig-Holsteins in der Filmförderung aus?

Wir freuen uns darüber, dass Schleswig-Holstein in diesem Jahr erstmals Steuermittel in den gemeinsamen Topf einzahlt. Der große finanzielle Motor ist aber nach wie vor Hamburg.

Können Sie Zahlen nennen?

Unser Jahresetat liegt bei etwa 13 Millionen Euro. Von Hamburg bekommen wir acht Millionen, von Schleswig-Holstein rund 770000 Euro. ZDF und ARD zahlen eine, beziehungsweise 1,2 Millionen. Außerdem bekommen wir zwei Millionen Euro aus Rundfunk- und Fernsehgebühren.

Interview: Liliane Jolitz

Location Tour bei den Nordischen Filmtagen

Die Filmförderung Hamburg Schleswig- Holstein (FFHSH) entstand 2007 durch den Zusammenschluss der Filmförderungen Hamburgs und Schleswig-Holsteins. Ziel war es, den Medienstandort Hamburg/Schleswig-Holstein zu stärken.

Aufgabe der FFHSH ist es, Kinofilme und außergewöhnliche Fernseh- Produktionen zu fördern. Vom Drehbuchentwurf über die Produktion bis zum Verleih und zur Festivalpräsentation werden Projekte finanziell unterstützt.

Bei den Nordischen Filmtagen Lübeck (1. bis 5. 11.) wird die FFHSH eine Location Tour für internationale Gäste organisieren, die unter anderem in die Altstadt und zum Hansemuseum führt.

Ins Oscar-Rennen 2018 geht die FFHSH mit zwei Filmen: Fatih Akins Hamburg-Thriller „Aus dem Nichts“ und dem südafrikanischen Drama „Die Wunde“.

LN

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