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„Wir wollten Brahms vitalisieren“

„Wir wollten Brahms vitalisieren“

Friedhelm Döhl, Begründer des Festivals, über die ersten Jahre der musikalischen Veranstaltung.

Herr Döhl, aus welchem Grund haben Sie das Brahms-Festival gegründet?

Friedhelm Döhl: Nachdem das Land das Brahms-Archiv von Renate und Kurt Hofmann gekauft und die Musikhochschule das Brahms- Institut eingerichtet hatte, war ich der Meinung, dass neben Theorie und Wissenschaft Brahms auch vitalisiert werden müsse.

Vitalisiert?

Döhl: Brahms war Musiker, einer der wenigen ganz großen Musiker. Wir hatten damals auch herausragende Musiker unter Dozenten und Studierenden, da schien es mir nur logisch, dass die Hochschule sich der Musik von Brahms widmet. Das meine ich mit „Vitalisierung“.

Wann haben Sie das Projekt auf den Weg gebracht?

Döhl: Das war 1991. Im Jahr darauf bin ich Rektor der Musikhochschule geworden, 1992 fand dann auch das erste Brahms-Festival statt.

Damals war der Große Saal noch nicht fertig.

Döhl: Die Kammerkonzerte fanden im Kammermusiksaal statt, das Orchester spielte in der Holstentorhalle. Der kleine Saal war immer überfüllt, das Festival wurde von Anbeginn an von der Stadt gut aufgenommen.

Was war Ihre inhaltliche Intention?

Döhl: Es ging mir immer darum, Brahms nicht nur zu „vitalisieren“, um den Begriff noch einmal zu verwenden, es ging mir auch darum, Brahms in Kontexte zu stellen.

Und das hieß?

Döhl: Brahms‘ Musik mit der anderer Komponisten in Beziehungen zu setzen. Mit Schönberg zum Beispiel, der Brahms bewunderte. Schönberg hat ja einmal gesagt: „Von Brahms habe ich gelernt: 1.

Ungeradtaktigkeit, 2. Plastik der Gestaltung, 3. Systematik des Satzbildes, 4. Ökonomie und dennoch Reichtum.“

In diesem Zusammenhang haben ja auch Ihre Kompositions-Studierenden eine Rolle gespielt.

Döhl: Eine große Rolle sogar. Wir haben bei den Festivals viele Jahre lang Kompositionen von Studierenden aufgeführt, die sich auf Brahms bezogen. Vor allem aber kam es mir darauf an, dass Studierende und Dozenten gemeinsam musizierten, dass ältere und junge Interpreten in musikalischen Kontakt kamen.

1992 haben Sie das Brahms-Festival begründet, ein Jahr später folgte dann die Brahms-Galerie.

Döhl: Der bildkünstlerische Zugang zu Brahms ist auch eine Form, Brahms in einen Kontext zu stellen, eine für mich unverzichtbare Form sogar. Das erste Bild der Galerie stammte von Klaus Kröger, es folgten dann Gemälde von Laura Pearsall, Erasmus Zipfel, Johannes Grützke, Günther Uecker, Bernd Völkle, Armin Mueller- Stahl, Dietrich Fischer-Dieskau und Gunther Fritz.

Unter den Künstlern sind einige große Namen. Wie konnten Sie die Bilder finanzieren?

Döhl: Viele der Arbeiten sind Geschenke der Künstler, das Bild von Dietrich Fischer-Dieskau zum Beispiel habe ich persönlich bei ihm in Bayern abgeholt. Ansonsten haben die Stiftungen hier in der Stadt geholfen.

Zu den Kennzeichen der frühen Jahre des Festivals gehörte auch das Banner mit dem Schattenriss von Brahms und dem roten Igel.

Döhl: Das Gasthaus „Zum roten Igel“ in Wien war das Stammlokal von Brahms in Wien, Schubert hatte schon gerne dort gesessen. Brahms aß dort häufig Gulasch — deshalb gab es bei den ersten Festivals in den Pausen Gulaschsuppe.

Was reizt Sie persönlich an der Musik von Johannes Brahms?

Döhl: Ich habe mich im Studium intensiv mit Brahms‘ Musik beschäftigt, mit Brahms habe ich auch Klavierexamen gemacht. Er ist für mich wirklich einer der ganz Großen der Musik. Diese Verbindung von Emotion und Konstruktion, etwa in den ,Vier ernsten Gesängen‘, ist unvergleichlich. Da geht nichts drüber.

Sind Sie stolz auf das von Ihnen begründete Brahms-Festival, das jedes Jahr mehr Besucher anzieht?

Döhl: Stolz ist das falsche Wort. Ich empfinde bei diesem Festival etwas wie nach einer gelungen Komposition. Ich kann sagen: Das ist richtig. Und das ist etwas anderes als stolz. Das Brahms-Festival ist richtig.

Interview: Jürgen Feldhoff

LN

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