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21:18 21.05.2016
Stargast beim Hansekultur-Festival: Bestseller-Autorin Cornelia Funke las aus ihrer „Reckless“-Reihe.

Cornelia Funke ist die prominenteste Autorin beim Hansekultur-Festival. Sie hat spätestens seit ihrer Ausstellung im Günter GrassHaus eine besondere Beziehung zu Lübeck. Und zu Grass sowieso, „einem der furchtlosesten Menschen“, denen sie je begegnet sei. Gestern las sie vor vollem Haus im Hansemuseum aus ihrem magischen „Reckless“-Zyklus, und von einem neuen Projekt mit dem Grass-Haus war auch die Rede.

Pippa Goldschmidt befasst sich ebenfalls mit Ungeheuerlichem. Mit dem Umstand etwa, dass eine Galaxie aus etwa 100 Milliarden Sternen besteht. Aber das ist keine Auskunft aus einer phantastischen Geschichte, das ist der Stand der Wissenschaft. Die Britin kennt sich aus mit Wissenschaft, sie hat in Astrophysik promoviert. Aber sie hat auch einen Masterabschluss in Creative Writing, schreibt heute Romane und Short Stories, und das mit einigem Erfolg.

Sie steht also bei ihrer Lesung für das Arbeiten an der Schnittstelle von Wissenschaft und Literatur, die von einer kleinen Reihe im Rahmen des Hansekultur-Festivals beleuchtet wurde. Die Idee stammt von der Künstlerin und Autorin Bettina Thierig, unterstützt wurde sie vom Wissenschaftsmanagement Lübeck. Es geht um Grenzgänge, die oft so viel interessanter sind als das Gehen auf breiten Wegen.

Und während sich Pippa Goldschmidt in ihrem Schreiben („Weiter als der Himmel“) streng auf wissenschaftlicher Grundlage bewegt, die sie in eine Fiktion einbaut, kann man damit auch ganz anders umgehen.

Zum Beispiel so wie Thomas Bruhn, ein promovierter Physiker, der am IASS arbeitet, dem Nachhaltigkeits-Institut in Potsdam. Er spielt nicht nur – wie bei seiner Lesung in der Pilgerhalle – Klavier, sondern schreibt ebenfalls und hat in seinem ersten Roman mit Fantasy begonnen. Inzwischen aber ist längst auch die reale Welt in seine Bücher eingezogen.

Stefan Moster ist Autor, kein Wissenschaftler. Ihm zur Seite steht jedoch im „Großen Gemach“ des Hauses der Wissenschaft mit So Young Pak eine Hirnforscherin von der Universität Lübeck. Sie diskutiert mit ihm seinen Roman „Neringa oder die andere Art der Heimkehr“, der um Erinnerungen kreist, um das, was bleibt von einem Leben. Aber wenn Geschichte nach Voltaire die Lüge ist, auf die man sich geeinigt hat, dann gilt das eben auch für die Geschichte einer Familie. Und gerade auch für das, was man für die eigene Biografie hält. Wenn Erinnerungen aufgerufen oder ruhen gelassen werden, sei das immer mit einer Motivation verbunden, sagt die Professorin. Und wenn als letzten Satz in Mosters Roman eine Frau sagt: „Das einzige, womit wir die Toten ehren können, sind liebevolle Gedanken“, dann finde sie das wunderschön: „Sie hat ja recht.“

LN

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