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Witzig, nachdenklich, albern: Street Art-Künstlerin sorgt für Furore

Hamburg Witzig, nachdenklich, albern: Street Art-Künstlerin sorgt für Furore

Street Art mit Haltung: Die Botschaften der geheimnisvollen Künstlerin Barbara erregen jetzt auch in Hamburg Aufmerksamkeit.

Die Kunstwerke werden auf der Facebook-Seite von Barbara veröffentlicht und diskutiert.

Quelle: Screenshot Facebook.com

Hamburg. Sie kommt herum. Ihre Spuren finden sich in Heidelberg — wo sie angeblich lebt —, in Berlin, in Dresden und inzwischen auch in Hamburg. Auch dort betätigt sie sich als Botschafterin — gegen ihrer Ansicht nach fragwürdige oder unfreundliche Ge- und Verbote, die sie mit allerlei witzigen, nachdenklichen oder auch mal nur albernen Sprüchen hinterfragt — wie das „Nazis bitte hier anleinen“-Plakat (Foto) zeigt.

Hier geht es zur Facebook-Seite von Barbara

Die Rede ist von einer Street Art-Künstlerin, die sich den Namen Barbara gegeben hat — jedenfalls firmiert sie mit dieser Unterschrift, wenn sie wieder irgendwo eine Nachricht aus ihrer Gegenöffentlichkeitsarbeit hinterlassen hat. Wer sich hinter „Barbara“ verbirgt, ob es nur eine Person ist oder mehrere, ob eine Frau oder ein Mann — bisher haben sich alle Nachforscher offenbar die Zähne daran ausgebissen, Näheres über Barbara herauszufinden. Angeblich stammt Barbara ursprünglich aus Berlin, später zog es sie nach Heidelberg, ihr Betätigungsfeld umfasst inzwischen auch die Elb-Metropolen Hamburg und Dresden. Es gibt, wie es sich in heutigen Zeiten ziemt, ein Instagram-

Account — dort finden sich viele Dokumente der Botschaften, die sich insbesondere gegen Rechtspopulismus wenden, gegen Umweltverschmutzung, kranke Schönheitsideale wie Magersucht oder Gewalt — Verdrehungen der Jetztzeit, die Barbara nicht unkommentiert lassen will. „Jammerschade, dass es keinen Impfstoff gegen Rassismus gibt“ lautet eine ihrer Botschaften, die einen Aufkleber kommentiert, der sich gegen das Impfen wendet.

Nur selten gewährt Barbara Kontakt, weil sie sich freier in ihrer Kunst fühle, wenn sie als Person unbekannt bleibe. Sie äußerte sich mal in der „Welt“, gerade eben im „Hamburg Journal“, in unkörperlicher Weise. Ob sie männlicher oder weiblicher Natur ist, will sie als „ein Mensch namens Barbara“ nicht wirklich bekanntgeben. Sie liebe es, Menschen zu beobachten, und versuche, mithilfe von Gesprächen herauszufinden, was sie berührt oder wie sie die Welt sehen.

Über ihre Motivation ließ sie wissen, sie habe als Kind angefangen, mit einem Stift Hakenkreuze zu übermalen, die an Wänden oder Zäunen auftauchten, nachdem ihr Großvater ihr die Hintergründe dieses Symbols erklärt habe.

Kritik gibt es natürlich auch, weil sie schließlich auch Warnschilder verändere und zumindest vorübergehend ihres Sinns beraube; die Befürworter ihrer Street Art weisen aber darauf hin, dass die Kunst der Barbara sehr flüchtig sei und sich meist nach kurzer Zeit wieder aufzulösen beginne. Aber bis dahin, so hofft Barbara, habe bei den Betrachtern ein Denkprozess eingesetzt, der sie die real existierende Welt mit etwas anderen Augen sehen lässt.  

Michael Wittler