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Wo das Glück nicht wohnt

Wo das Glück nicht wohnt

Umjubelte Premiere des „Tannöd“-Krimis im Theater im Stall.

Neu Horst. Der Bühnenraum ist schwarz, einzige Kulisse ist eine schräge Ebene aus Holz. Auf diesen Latten stehen fünf Menschen in altmodischer weißer Unterwäsche, links und rechts daneben schwarz gekleidete Personen. Sie beten — für die Opfer eines Sechsfachmordes, wie sich im Laufe des Stücks herausstellt.

Im Theater im Stall in Neu Horst in der Nähe von Mölln hatte das Drama „Tannöd“ Premiere, die Bühnenfassung des gleichnamigen Bestsellers von Andrea Maria Schenkel. Sie rekonstruiert darin einen authentischen Mordfall an einer gesamten Familie auf einem abgelegenen Gehöft in Bayern. Der Mörder wird entlarvt, indem sie die ganze Dorfgemeinschaft wie auch die Ermordeten selbst zu Wort kommen lässt. Harte Kost für Schauspieler wie Zuschauer.

Nach der Komödie „Ganz oder gar nicht“, dem letzten Erfolgsstück des Theaters, beweist das Laien-Ensemble nun mit „Tannöd“: Sie können auch anders. Ebenso reduziert wie das Bühnenbild ist das Spiel.

Wie im Stück vorgegeben, geben die Akteure ihre Erinnerungen mit Blick aufs Publikum zu Protokoll: die Opfer, eine Nachbarin, eine Magd, der Pfarrer oder der Bürgermeister. 21 Darsteller im Alter von 16 bis 71 Jahre sind an dieser Aufführung beteiligt. Um das Erzähltheater zu durchbrechen, werden kleine Szenen angespielt, es gibt Dialoge, Gesänge, Gebete. Die unterschiedliche Beleuchtung öffnet Räume: Scheint das Licht von unten durch die Latten, befinden wir uns auf dem Dachboden. Seitliches Licht symbolisiert die Scheune, in der die Morde geschahen. Allmählich ergibt sich aus den Monologen und Gesprächen das Bild eines Dorfes, in dem das Glück nicht wohnt. Wie auf der Bühne spricht man nicht miteinander, sondern übereinander. Fast alle im Dorf wissen um Inzest und tägliche Gewalt auf dem Tannöd-Hof, auch um ihre Mitschuld, sie haben sich eingerichtet in ihrer bigotten Welt.

Regisseur Jörn Bansemer führt die Darsteller so, dass sich der Spannungsbogen bis zum Ende hält. Es wäre unredlich, einzelne hervorzuheben. Diese Aufführung ist eine beeindruckende Ensembleleistung, die mit jubelndem Applaus honoriert wurde. Die beklemmende Stimmung des Stücks verflog dann schnell beim Freitags-Ritual: Theaterleiter Gösta Harbs lud zu Pizza, Wein und Bier ein.

Nächste Vorstellungen: 21.-24. sowie 28.-30. April und 1. Mai, 20 Uhr, 23883 Neu-Horst, Karten unter Telefon (04542) 82 13 66

Von Petra Haase

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