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Barnitz Wo die Kunst herkommt

Künstler in Schleswig-Holstein öffnen ihre Ateliers. Einer ist Thomas Helbing in Barnitz – ein Werkstattbesuch.

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Die Skulptur „Gedankenflug“ von Thomas Helbing.

Barnitz. Klaus Plöger steht gleich am Eingang links. Der ehemalige Landrat von Stormarn ist auf etlichen Fotos zu sehen, frontal und im Profil, mit und ohne Brille. Er hat viele Male Modell gesessen – und nun hat die Büste aus Gips schon genaue Formen angenommen. Thomas Helbig bessert die Wangen nach, den Haaransatz, die Ohren. Anfang September wird die Skulptur auf einer Ausstellung zu Ehren des kunstsinnigen Ex-Verwaltungschefs Plöger stehen.

LN-Bild

Künstler in Schleswig-Holstein öffnen ihre Ateliers. Einer ist Thomas Helbing in Barnitz – ein Werkstattbesuch.

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Mehrere Wochen hat Helbing daran gearbeitet in seinem Atelier im Künstlerdorf Barnitz in Stormarn, abseits der großen Straßen. In einem ehemaligen Stall ist er umgeben von seinen Geschöpfen: kleinen Schwimmern, in Bronze gegossen, großen Tisch-Skulpturen, hintergründigen Installationen mit Titeln wie „Unterm Pflaster liegt der Strand“. An der Wand hängen Skizzen und Radierungen. Täglich von 8 bis 20 Uhr arbeitet Thomas Helbing hier, sieben Tage die Woche. „Sonntags aber nur sechs Stunden“, relativiert der 56-Jährige.

Es ist ein einsamer Job – und für Thomas Helbing ein langer Prozess von der Idee über Quellenstudium, literarische Annäherung, Skizzen und Radierungen bis zur Umsetzung. Um die Kunstarbeiter und deren Schaffensprozess erlebbar zu machen, wurden im vergangenen Jahr die „Sommerateliers“ initiiert. Die Landesverbände der Angewandten und Bildenden Künstler (BAK und BBK) sowie die Künstlerinnen-Gemeinschaft Gedok animierten ihre Mitglieder dazu, an einem Wochenende im August ihre Ateliers zu öffnen.

„Es war ein großer Erfolg, mehr als 100 Künstler haben sich daran beteiligt“, resümiert die Malerin Monika Rathlev, Vorsitzende des BBK Schleswig-Holstein, die erste „Sommeratelier“- Erfahrung. Die Teilnehmer seien sehr zufrieden gewesen, sowohl über die Zahl der Besucher als auch über den Verkauf ihrer Werke. „Im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen, bei denen jeder mitmachen kann, kommt hier ein fachkundigeres, interessiertes Publikum.“ Denn die Künstler der Berufsverbände stünden für Qualität.

Am kommenden Wochenende öffnen wiederum mehr als 100 Künstler in 70 Orten ihre Ateliers für Besucher. Die Bandbreite reicht von Malerei, Bildhauerei über Schmuck, Keramik, Holz, Textil, Foto, Video bis zu Installationen. An zwei Tagen kann man sich ein Bild davon machen, wo und wie Kunst entsteht und mit welcher Intention die Kunstschaffenden an ihre Arbeit gehen.

Als „Spaßprojekt“ etwa bezeichnet Thomas Helbig die Büste des ehemaligen Landrats. „Mich interessieren Menschen.“ Deshalb sind viele seiner Arbeiten figürlich, oft auch angelehnt an die griechische Mythologie. Nicht von ungefähr: Der gebürtige Lübecker studierte im Nebenfach klassische Archäologie. Sein Handwerk lernte er von Grund auf als Steinmetz, ein Kunststudium in Hamburg und München schloss sich an.

Seit 15 Jahren lebt Thomas Helbing mit Frau und Tochter in Barnitz und formt Gips, Metall und Stein. Um der Einsamkeit des Schaffens etwas entgegenzusetzen – und natürlich auch als Einnahmequelle –, gibt er wöchentliche Bildhauerkurse. Vor dem Atelier zeugen behauene Blöcke von der Arbeit seiner Schüler. „Es ist ein intensiver Austausch mit den Teilnehmern. Auch für mich ist es eine Herausforderung, denn ich muss immer wieder erklären, was ich wie und warum mache“, sagt Belbing Neben den „Spaßprojekten“ arbeitet Helbing an Auftragswerken – aktuell soll er einen Brunnen für die Salzquelle im Kurpark in Bad Oldesloe gestalten. Er zeigt mehrere Entwürfe, die Stadtvertreter müssen sich entscheiden. Zwei Findlinge liegen schon neben dem Atelier. Die Idee der „Sommerateliers“ begrüßt er, „für die Künstler und auch für den Tourismus eine gute Idee“.

Dass solche Gelegenheiten auch den Geldfluss fördern, erlebt er bei den regelmäßigen Barnitzer KunstHand-Festen. Kürzlich hat er dort seine Bronzeskulptur „Gedankenflug“ verkauft – eine Hommage an den litauischen Schriftsteller Kristijonas Donelaitis (1714-1780).

So findet man die Künstler

Sommerateliers: Am 20. und 21. August öffnen von 11 bis 19 Uhr in ganz Schleswig-Holstein Künstler ihre Ateliers. In Faltblättern sind die Orte und die teilnehmenden Künstler verzeichnet.

Die Website www.sommerateliers-sh.de ist auch für Smartphones tauglich und ermöglicht eine Suche nach Teilnehmern von unterwegs. Auf den Websites der Künstler sind besondere Angebote und abweichende Öffnungszeiten zu erfahren.

Zur Gemeinschaftsausstellung laden die Gedok-Malerinnen Eva Stüben, Barbara Engel, Claudia Wilm, Annelies Hölscher und Ute Lübbe in das Atelierhaus in Lübeck, An der Hülshorst, ein.

Petra Haase

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