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Wütender Saisonstart am Thalia Theater

Hamburg Wütender Saisonstart am Thalia Theater

Die Wut ist schon kalt geworden an diesem Abend. Geblieben ist das Tatort-Absperrband.

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Im Ausnahmezustand: Marie Löcker und Sebastian Zimmler.

Hamburg. Die Wut ist schon kalt geworden an diesem Abend. Geblieben ist das Tatort-Absperrband. Das Schlimme ist passiert, aber längst nicht zu Ende, und das Absperrband hält auch nichts im Zaum – nicht den Terror und nicht die Wut. Die gärende Bevölkerung mischt sich mit den Tätern, die immer interessanter sind als die Opfer, Gotteskrieger mit Nationalismus und machtlosen Göttern, die sich eher vor den Menschen fürchten müssten als umgekehrt.

Vieles kommt mit vielem zusammen in Elfriede Jelineks zornigem Stück „Wut“, das die Literaturnobelpreisträgerin unter dem Eindruck der Anschläge auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris schrieb.

Regisseur Sebastian Nübling bringt es zum Saisonstart im Thalia Theater auf die Bühne – verschränkt mit einem neuen Text von Englands Dramatiker-Star Simon Stephens. „Rage“ ist eine von Fotos aus der Silvesternacht in Manchester inspirierte Szenenfolge, Bilder von Anmache und Aggression.

Die Bühne (Eva-Maria Bauer) ist leer bis auf das gigantische, bunte „Happy New Year“. Verhalten pulst der Beat, drei Frauen und vier Männer zucken dazu durch die Nacht. Es wird begrapscht, beschimpft, gesoffen, gepinkelt und getanzt auf dem Vulkan des Jahreswechsels. Stephens hat aufmerksam den alltäglichen Rassismus aus dem Party-Geblubber erlauscht. Fremdenhass und Gangsta-Gehabe blitzen auf in einem zum Dauerrauschen abgeflachten aggressiven Grundgefühl. So kultiviert sieht man der Wut ihre Wut gar nicht an. Nübling fügt die grundverschiedenen Texte klug ineinander, die Stephens-Szenen strukturieren den wuchtigen, aber auch etwas drögen Jelinek'schen Wortbruch. Das sehr gut getunte Ensemble malt nicht nur bizarre Typen dazu, es hat auch keine Angst, den endzeitartigen Ausnahmezustand vorzuführen – in oft schwer zu ertragenden Bildern.

Vorstellungen: 24.+25. September, 9., 11., 22., 23., 26. Oktober. Kartentel. 040/32814444.

R. Bender

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