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Wunderbare musikalische Momente in St. Marien

Lübeck Wunderbare musikalische Momente in St. Marien

Vier Innenstadtorganisten musizieren an zwei Orgeln.

Lübeck. Dass Lübecks Orgeln in der Ferienzeit nicht schweigen, ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. In „freundschaftlich kollegialer Zusammenarbeit“ eröffneten vier der Organisten der Innenstadt in St. Marien den Orgelsommer. Er ist in St. Marien (donnerstags), St. Jakobi (freitags) und im Dom (sonntags) zu erleben.

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Johannes Unger (Marien).

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Zum Auftakt gaben sich Johannes Unger (Marien), Hartmut Rohmeyer (Dom) sowie Ulf Wellner und Arvid Gast (Jakobi) quasi die Klinke beziehungsweise den Spieltisch in die Hand. Totentanz- und Kemperorgel waren abwechselnd zu hören; ein Klangerlebnis, das aus verschiedenen Richtungen den großen Raum füllte und wunderbare musikalische Momente bescherte. Französisch angehaucht sei die Programmfolge, hatte Johannes Unger gesagt. In der Mitte des fünfteiligen Konzertes stand allerdings der Fels Johann Sebastian Bach.

Hartmut Rohmeyer spielte die d-Moll-Sonate (BWV 527) auf der Totentanzorgel mit entzückender Leichtigkeit, mit hauchzarten Farben im Adagio, ohne Hast und Hetze auch im Vivace; Musik, die sofort zu Herzen ging. Eingeleitet wurde der Abend von Johannes Unger mit dem „Grand Dialogue“ von Louis Marchand. Unger setzte an den Beginn kräftige Akkorde, bremste „Lentement“ und „Légèrement“ sein Temperament, um zum Schluss wieder „in die Vollen“ zu greifen. Ulf Wellner gestaltete an der Großen Orgel den a-Moll-Choral von César Franck als Hymne des Glaubens, in den einzelnen „Zeilen“ zwischen Innigkeit und starkem Bekenntnis pendelnd. Volkstümliche Beliebtheit hat die „Suite Gothique“ von Léon Boëllmann erlangt. Das Menuett verführte in der intensiven Gestaltung von Arvid Gast zum Mitsummen, das Gebet (dritter Satz) zur stillen Meditation, während die Toccata zum fröhlichen Musikfest wurde.

Mehr als ein Schluss-Gag war der letzte Beitrag, ein echter „Rausschmeißer“. Arvid Gast (Kemper) und Johannes Unger (Totentanz) boten mit dem „Grand Choeur Dialogue“ von Eugène Gigout ein wirkliches Gespräch zwischen den beiden weit auseinander hängenden Instrumenten. Die Organisten warfen sich die musikalischen Themen wie Bälle zu, fanden dann in den Schlussakkorden einträchtig zueinander.

Großer Beifall erklang für einen sehr abwechslungsreichen, im guten Sinne auch unterhaltsamen Abend. Er war dazu geeignet, ungewohnten Hörern die oft unberechtigte Scheu vor Orgelkonzerten zu nehmen.

Orgelkonzerte im Juli/August: St. Marien donnerstags 19 Uhr; St. Jakobi freitags 19 Uhr; Dom sonntags 17 Uhr. Weitere Veranstaltungen: St. Jakobi mittwochs 17 Uhr (40 Minuten), sonnabends 17 Uhr Orgelvesper — Dom freitags 17 Uhr (30 Minuten) — St. Marien werktags 12 Uhr Mittagsandacht mit Musik — St. Lorenz/Travemünde donnerstags 10.30 Uhr Marktkonzert.

Konrad Dittrich

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