Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
„Zeitlose Bücher, Bilder, Musik“, sagt Alexander Bastek

WAS MICH BEGEISTERT „Zeitlose Bücher, Bilder, Musik“, sagt Alexander Bastek

Das eigene Kind beim Entdecken der Welt beobachten, sich an die eigene Kindheit erinnern und zur Erkenntnis gelangen, dass man bestimmte Erfahrungen nicht vermitteln kann.

Voriger Artikel
Weiß auf Schwarz
Nächster Artikel
„Manchmal besser als Jeff Koons“

Dr. Alexander Bastek, geboren 1973 in Essen, hat Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie studiert und war an Museen in Hannover und Frankfurt am Main tätig. Seit 2008 leitet er das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck. In der Hand hält er Renée Sintenis: „Verhoffendes Reh“ von 1920. „Verhoffen“ ist Stehenbleiben, um zu lauschen und Witterung aufzunehmen.

Lübeck. Das eigene Kind beim Entdecken der Welt beobachten, sich an die eigene Kindheit erinnern und zur Erkenntnis gelangen, dass man bestimmte Erfahrungen nicht vermitteln kann. Jeder muss sie selbst machen: „Eines Tages wird er von ganz allein eine heiße Scheibe Toastbrot durch die Küche zum Tisch transportieren, indem er sie immer wieder hochwirft.“

Andere Erfahrungen werden Kinder heute kaum noch machen können, etwa alle Typenhebel der Schreibmaschine zu einem Metallklumpen zu verschmelzen. Solche kleinen Geschichten schildert Jochen Schmidt in seinem aktuellen Roman „Zuckersand“ auf geniale Weise und mit humorvollem Blick auf die kleinen Details des Alltags. Und immer wieder denkt man beim Lesen, „das kenne ich auch“ und fühlt sich exklusiv eingeweiht in diese „Wunderkammer der Beobachtungen“. Am 4. Dezember um 20 Uhr liest Jochen Schmidt aus „Zuckersand“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe LiteraTour Nord in der Lübecker Buchhandlung Hugendubel. Schmidts Bücher und Texte, neben „Zuckersand“ auch „Dudenbrooks“, „Schmythologie“ oder aktuell die Reihe „Paargespräche“ in der Zeitschrift Chrismon, sind kongenial bebildert von der Hamburger Illustratorin Line Hoven . Sie wird heute mit dem Hans-Meid-Preis für Buchillustration ausgezeichnet. Wer Hovens Bilder aus Büchern und Zeitschriften kennt, ist von ihrem klugen Bildwitz sofort eingenommen. Sie setzt die Texte nicht bloß ins Bild, sondern gibt ihnen eine eigene Wendung. Wer vor den Originalen ihrer Schabkunst steht, kann nur noch staunen, mit welcher Konzentration und Geduld sie ihre schwarz-weißen Bildwelten aus dem dunklen Schabkarton herausgekratzt hat: mit einem einfachen Baumarktcutter! Zu sehen sind ihre Werke bis zum 11. Februar 2018 in der Kunsthalle St. Annen in der Ausstellung „Scratch my Back“ , die heute um 11.30 Uhr eröffnet wird.

Auch musikalisch kann man gut auf Zeitloses zurückgreifen. Die diesjährige Museumsnacht in Lübeck brachte die Erkenntnis, dass „It must be love“ im Original nicht von Madness aus dem Jahr 1981 ist, sondern schon 1971 von Labi Siffre geschrieben wurde. Das lädt zum vergleichenden Hören ein.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden