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Kultur im Norden Zündender Musik-Mix auf dem Cargo Schiff
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21:13 09.04.2018
Eigentlich kommt die Band Leo in the Lioncage, die das Festival eröffnete, aus Kiel. Zwei der Mitglieder studieren aber in Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Das Echolot-Festival wird auch von Studierenden im Rahmen eines Hochschul-Projektes organisiert – mit Erfolg, wie sich an dem sehr langen Abend zeigte. Fast sieben Stunden dauerte das Programm, die stilistische Vielfalt reichte von Kabarett am Klavier bis zu beinhartem Heavy Metal, dessen Lautstärke bedrohliche Ausmaße erreichte.

Voraussetzung zur Teilnahme am Echolot-Festival ist, dass mindestens ein Bandmitglied derzeit an der Musikhochschule Lübeck studiert. Die zwei Keyboarder der Kieler Band Leo in the Lioncage zum Beispiel studieren in Lübeck – einer allerdings Schlagzeug und nicht Klavier. Und der kurzfristig eingesprungene Bassist der Vincent Dellwig Band studiert eigentlich Klavier – die Liste ließe sich fast beliebig lang fortsetzen.

Eines jedoch war bei allen Nachwuchsmusikern zu bewundern: die unbändige Lust am Musizieren, die sich unmittelbar dem Publikum mitteilte. Vor den beiden Bühnen im Oberdeck und im Frachtraum des Cargo Schiffes wurde wild getanzt, das Festival verwandelte sich in kürzester Zeit in eine Mega-Party. Ältere Semester waren recht selten im Publikum, mancher von ihnen mag sich an seine eigenen rockigen Heldentaten erinnert haben, die mittlerweile Jahrzehnte zurückliegen – aber an solchen Abenden durchaus wieder präsent werden.

Bei allen Ensembles sprang der Funke zum Publikum, das zum größten Teil aus Studierenden bestand, schnell über. Die Opener Leo in the Lioncage brachten Funk auf die Bühne, mit viel Keyboard und einem kleinen Bläsersatz war das Eis schnell gebrochen. Und erstaunlicherweise gelang das auch den soften Folkrockern von Humming Bee, deren getragene Songs heftig bejubelt wurden.

Die zwei Solisten des Abends kamen aus einer ganz anderen musikalischen Richtung. Max Busch – eigentlich Schulmusiker – bot Klavier-Kabarett in Anlehnung an sein großes Vorbild Bodo Wartke. Die Singer-Songwriterin Katharina Schwerk präsentierte fast ausschließlich selbstgeschriebene Titel, die ebenfalls sehr gut ankamen.

Auf der Bühne im Frachtraum aber ging es erheblich weniger besinnlich zu. Die Vincent Dellwig Band zum Beispiel spielte harten Gitarren-Rock mit gelungenen Soli, die an die ganz großen Gitarristen der Szene erinnerten. Beim Songwriting gibt es durchaus noch Luft nach oben, vor allem sollten sich die jungen Musiker um Schlusswendungen für ihre Songs kümmern. Das trifft auch auf die Metal-Band Mountain zu – wenn man als Zuhörer das Ende eines Songs überhaupt mit halbwegs funktionierendem Gehör mitbekam. Die Band spielte so heiße Musik, dass die ohnehin hohe Temperatur im Frachtraum saharareife Werte erreichte. Am selben Ort trat auch die Band Reggaedemmi auf und brachte den Raum mit ihren jamaikanischen Rhythmen zum Kochen – Karibik-Feeling auf der Trave funktioniert durchaus.

Umso erholsamer war es dann, dem Thomas Kowalczyk-Trio zuzuhören. Feinsinniger und dezenter Jazzrock war bei diesen drei sehr guten Musikern zu erleben, die außergewöhnlich gut zusammenspielten. Eine gediegene Ruhepause – und dann griff die Klezmer-Band Hyps4Gyps ins Geschehen ein. Traditioneller Klezmer, Musik vom Balkan, ein italienisches Partisanenlied und Klassiker wie „Bei mir biste scheen“

versetzten das Publikum schon fast in Raserei. Zu vorgerückter Stunde beendete dann ein origineller Act das Echolot-Festival. Tomato is a fruit nennt sich die Formation aus zwei Schlagzeugern und zwei Saxofonistinnen, die ungewöhnliche Klangexperimente mit klassischem Spiel und elektronischen Weltraumfahrten mischen. Ein großartiger Abschluss. Jürgen Feldhoff

LN

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