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Zurechtgemachte Landschaften

Lübeck Zurechtgemachte Landschaften

Landschaft – für Rainer Erhard Teubert ist sie ein „verschlossener Geheimnisträger“. Sie steht für ihn für Autonomie. „Die Landschaft braucht uns nicht“, sagt er. Seit 60 Jahren zeichnet Teubert Landschaften. Die Galerie Artler in Lübeck widmet ihm nun eine Ausstellung.

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Reduziert Landschaften auf das für ihn Wesentliche: Rainer Erhard Teubert in der Ausstellung „Gezeichnete Landschaft“.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Lübeck. Teubert ist fasziniert von Küsten, offenen Landschaften und dörflichen Umgebungen. Ich bin ja hineingeboren in die dörfliche Landschaft“, sagt er. 1932 kam er in Hartmannsdorf im Erzgebirge zur Welt. Nach dem Abitur begann er in Greifswald sein Kunststudium, das er später in Düsseldorf fortsetzte. An der Kunstakademie Düsseldorf löste er sich vom DDR-Realismus und traute sich, andere Perspektiven zu entwickeln. Die Befreiung von künstlerischen Fesseln tat ihm gut. „Ich war ja schon immer ein wenig eigenwillig“, sagt Teubert.

Gut 30 Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Teuberts Materialien sind Feder, farbige Kreiden, Graphitstifte, Pastell, Kohle, Aquarellfarben. Seine Arbeiten sind häufig nach den Orten oder Regionen benannt, die ihm Impulse gaben. Immer wieder ist es das Dorf Grinau (Kreis Herzogtum Lauenburg), das Teubert zur Heimat geworden ist, der an der Lübecker Bucht gelegene Ort Rosenhagen in Nordwestmecklenburg und Wustrow (Fischland-Darß), aber auch der Alentejo oder die Toskana.

Die Zeichnungen sind meist sehr reduziert, beschränken sich auf das Wesentliche und Charakteristische. Häufig genügen wenige Striche. Konkrete Orte geben sie nicht wieder. „Der Ursprung ist eine Landschaft. Die mache ich zu einem Bild zurecht“, sagt der Künstler. Seine Arbeiten leiten Betrachter zu Wegen und Baumreihen, Horizonten, Feldern, Hügeln und Häusern.

Eine besondere Bedeutung hat der Raps, fast wirkt es so, als sei Teubert ihm ein wenig verfallen. Ein Rapsstreifen schlängelt sich unterhalb einer Häuserreihe, weiter unten weitere Felder, eher orangefarben als rapsgelb. Das Dorf scheint zu schweben dort oben in der Nähe des Bildrandes. „Grinau“ heißt die Kreidezeichnung. Wer nicht weiß, dass er hier vor einem Dorf und Rapsfeldern steht, wird vielleicht nicht darauf kommen.

Eine der Arbeiten ist eine Begegnung mit einer Stadt, die einladend wirkt in ihrer Farbenfreude und Helligkeit. Es handelt sich um eine Stadt am Rhein, erläutert Teubert – Basel. Wenige Striche nur deuten eine Flussbiegung an. Wo der Fluss Wasser führt, ist eine weiße Fläche – das weiße Papier ist bei Rainer Erhard Teubert ein wichtiger Teil der Zeichnung.

Manchmal kommt es vor, dass sich bei Teubert keine inneren Bilder einstellen wollen. In solchen Zeiten zeichnet er nicht, sondern widmet sich einer weiteren Passion, der Lyrik: „Wenn die inneren Bilder fehlen, beschränke ich mich auf das Schreiben.“

Bekannt in Stadt und Land

Rainer Erhard Teubert, Jahrgang 1932, war an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt und konnte seine Arbeiten in zahlreichen Galerien und Museen zeigen. 2006 erhielt er den Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg.

Die Ausstellung „Gezeichnete Landschaft“ ist bis zum 25. 11. im Kunstkollektiv Artler zu sehen: Do und Fr 17-19 Uhr, Sa 12-14 Uhr, Große Burgstr. 32

Liliane Jolitz

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