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Lübeck Zurück zu den Wurzeln

42 Jahre nach „Ommadawn“ legt Mike Oldfield „Return to Ommadawn“ vor. Keine gute Idee.

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Meister der epischen Pop-Musik: Mike Oldfield (63) bei einem Live-Auftritt im Jahr 2006.

Quelle: Fotos: Davids/siewert, Universal

Lübeck. Mike Oldfield war 20, ein eigenwilliges Wunderkind, und seine Musik wollte keiner haben. Richard Branson nahm sie schließlich doch. „Tubular Bells“ war das erste Album auf seinem neuen Virgin-Label und der Grundstock für sein Milliardenvermögen. Überhaupt ist die Geschichte eine der großen Sagen der Popmusik.

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42 Jahre nach „Ommadawn“ legt Mike Oldfield „Return to Ommadawn“ vor. Keine gute Idee.

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Auch Mike Oldfield brauchte danach eigentlich nicht mehr zu arbeiten, „Tubular Bells“ verkaufte sich bis heute etwa 17 Millionen Mal. Er hat trotzdem weitergemacht, spielte „Hergest Ridge“ ein, 1975 „Ommadawn“ und jetzt, mehr als vier Jahrzehnte später, legt er „Return to Ommadawn“ vor, ein neues Album zwischen den Zeiten. Aber zwischen den Zeiten kann auch einiges verloren gehen.

Es ist alles wieder da: die Flöten, Pfeifen und afrikanischen Trommeln, die akustischen und die in den höchsten Tönen lobenden elektrischen Gitarren. Es gibt die hymnischen Momente und die folkigen dazu, es flötet und perlt und schillert in diesem weiten OldfieldLand. Es gibt die vielen Wechsel, dieses Hakenschlagen mitten in der Bewegung. Selbst „On Horseback“ klingt an, die federleichte Miniatur vom ersten „Ommadawn“-Album. Aber das alles mag nicht recht zusammenpassen.

Es scheint, als wäre da jemand auf der Suche, würde aber nichts Rechtes finden. Als probierte er mal hier etwas aus und mal dort, aber würde dann schnell das Interesse verlieren. Es kommt und weht vorbei und geht, und dann kommt wieder etwas Neues und weht vorbei, aber es mag nichts bleiben. Und nach gut 40 Minuten ist dann Schluss.

Mike Oldfields Musik trat ja schon immer über die Ufer. Er brauchte anfangs nur zwei Stücke für ein Album: eines für die erste und eines für die zweite Seite. Er vergrub sich im Studio wie ein Dachs in der Höhle und bastelte an seiner Musik. Er spielte bei „Tubular Bells“ fast alle Instrumente selbst, darunter ein Gerät namens Glorfindel, eine Art Vorläufer des Synthesizers und benannt nach einem Elben aus dem „Herrn der Ringe“. Er hat auch jetzt wieder alle Instrumente bedient, vom Mellotron bis zum Glockenspiel. Er hat sogar versucht, die Originalinstrumente vom ersten „Ommadawn“-Album alle wieder zu beschaffen. Er wollte die Kontrolle, es hatte etwas Manisches. Und als sie damals in Bransons Bentley auf dem Weg zur ersten Live-Aufführung von „Tubular Bells“ waren, mit Steve Winwood im Übrigen und Mick Taylor von den Rolling Stones, da bekam Oldfield plötzlich Panik und wollte nicht mehr. Branson stoppte, versprach ihm das Auto, falls er doch aufträte, und dann ging’s.

John Peel, der legendäre Radio-Moderator der BBC, hat „Tubular Bells“ damals in voller Länge gespielt. Er hatte immer ein Gespür für neue Dinge jenseits des Gewohnten. Und „Tubular Bells“ war deutlich jenseits des Gewohnten. Auch die Alben danach, die zu epischen Pop-Suiten zwischen Tolkien und Impressionismus wurden, ziemlich großartig, ziemlich verschroben, ziemlich britisch. Aber dann begann er irgendwann, handelsübliche Popsongs zu schreiben, und fand sich plötzlich in den Single-Charts wieder. Jetzt ist er zu den alten Längen und seinen Wurzeln zurückgekehrt. Auf die Bühne aber, sagte er in einem Interview, werde er mit dem neuen Album wohl nicht gehen. Vermutlich nicht mal für einen Bentley.

„Alter Bombast-Müll“

Der Anstoß zu „Return to Ommadawn“ kam aus dem Internet. Mike Oldfield hatte 2012 bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London Teile von „Tubular Bells“ gespielt und war überrascht von der Resonanz. Seine alte Musik, dachte er, würde man für „alten BombastMüll“ halten. In einem Fanforum fragte er dann, ob es eine gute Idee wäre, „Ommadawn“ aufzufrischen. Die Antwort sei eindeutig gewesen: „Ja! Mach es! Unbedingt!“

„Return to Ommadawn“ (Universal Music)

Peter Intelmann

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