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„Zurück zu den Wurzeln“

Berlin „Zurück zu den Wurzeln“

„Wir haben einfach ,Tschüs‘ gesagt“, erzählt Beth Ditto über das Ende ihrer Band Gossip. Nun meldet sich die US-Sängerin mit neuer Musik zurück.

Berlin. . Neustart für Beth Ditto (36): Morgen erscheint ihr Album „Fake Sugar“, im Interview spricht sie über ihre neue Musik, die USA unter Präsident Donald Trump und ihr Lieblingshobby.

 

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Als Plus-Size-Model arbeitete Beth Ditto mit Modeschöpfer Jean Paul Gaultier. Jetzt, nach der Trennung von ihrer Band Gossip, gibt sie als Solo-Künstlerin ihr Debüt.

Quelle: Foto: Sony
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Nach vielen Jahren mit Gossip und dem großen Erfolg mit der Band kommt jetzt Ihr erstes Soloalbum heraus. Sind Sie nervös, ob es ein Erfolg wird – oder ganz entspannt?

Beth Ditto: Sogar mit Gossip haben wir uns nie Sorgen gemacht, ob wir Erfolg haben. Was passiert, wenn ein Album erschienen ist, liegt nicht mehr in deiner Hand. Außerdem finde ich es gerade sehr aufregend, zurück zu den Wurzeln zu gehen und auf kleineren Bühnen zu stehen. Es geht nicht darum, unbedingt den großen Hit zu landen. Man will einfach ein Album machen. So muss man an das Ganze herangehen.

Die Auflösung von Gossip ging ganz still über die Bühne, es gab keine große Ankündigung. Ist das endgültig – oder ist ein Comeback möglich?

Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Es gab keinen großen Krach. Am Ende haben wir einfach „Tschüs“ gesagt, das Leben geht weiter. Natürlich bin ich traurig, und es ist eine große Veränderung im Leben. Aber es ist kein Drama.

Die Musik auf dem neuen Album unterscheidet sich recht stark vom Gossip-Sound. Wie würden Sie selbst die Musik charakterisieren?

Das Album will keine bestimmte Schublade bedienen. Es soll kein Country-Album sein, kein Dance- oder Rock-Album. Es ist einfach, wie es ist.

Was hat Sie inspiriert, als Sie die Musik geschrieben haben?

Ich bin in einer sehr kleinen Stadt aufgewachsen. Als ich 18 wurde, bin ich dort so schnell weg, wie ich konnte. Nun bin ich in meinen Dreißigern, habe Abstand und in der Lage, die Zeit dort auch wertzuschätzen. Mein Vater ist gestorben, und ich habe nun wirklich schöne Erinnerungen an meinen Dad und all die Dinge, die wir gemeinsam unternommen haben: in Honky-Tonks und tanzen zu gehen, Country-Western-Dance anzuschauen – es geht um all die schönen Dinge in meiner Vergangenheit, die ich nicht würdigen konnte, und auch die Musik damals. Das wollte ich ausdrücken.

Es ist ein sehr persönliches Album?

Das ist es wirklich. Die andere Sache ist, es ist Fluch und Segen zugleich, dass es vor den Wahlen fertig geworden ist. Ich konnte also ein Album über beliebige Songs machen, weil nicht so viel Ärger, Traurigkeit und Frust vorhanden waren. Ja, es ist persönlicher, weil der politische Aufruhr noch nicht so da war.

Dann hat also der Titel „Fake Sugar“ nichts mit Trumps „Fake News“ zu tun . . .

Ich wünschte, es wäre so smart – aber das ist es nicht.

Wie hat sich das Land denn verändert, seit Trump im Amt ist, und wie erleben Sie das?

Als ich jüngst in Arkansas war, habe ich mit meinem Bruder im Auto geplaudert, und es dreht sich alles sehr schnell um Politik. Wir haben beide darüber gesprochen, dass wir es nicht glauben können, was direkt vor unseren Augen passiert. Also auch Leute, die zuvor nicht politisiert waren, spüren nun wirklich die Auswirkungen und sind besorgt. In den USA gibt es dieses starke Gefühl der Unsicherheit in einer Art und Weise wie nie zuvor. Wir haben es mit jemandem zu tun, der nicht weiß, was er tut.

Sie waren auch in der Modewelt präsent, haben eine eigene Kollektion für Übergrößen herausgebracht. Nun haben Sie angekündigt, eine Pause einzulegen. Ist das eine Abkehr vom Modebusiness?

Ich habe das sehr gerne gemacht und mir bewiesen, dass ich das hinkriege. Aber insbesondere, wenn man dabei unabhängig bleiben will, ist es wie ein eigenes Musiklabel zu starten. Der Erfolg war toll, du wirst damit bezahlt, wie die Leute es aufnehmen. Aber es war einfach viel Arbeit. Und: Ich bin keine Geschäftsfrau, es gibt gute Gründe, warum ich keine Buchhalterin geworden bin.

Sie haben aber noch ein sehr modisches Hobby: Häkeln. Machen Sie das noch viel?

Ja, das ist meine Lieblingsbeschäftigung. Und mein armer Assistent muss die ganze Zeit das Garn herumschleppen. Jetzt, wo so viele Leute in meinem Alter Babys bekommen, habe ich so viele Baby-Häkel-Projekte. Außerdem hat man immer etwas zu verschenken an Weihnachten.

Schillernder Star

Beth Ditto (36) wuchs im US-Bundesstaat Arkansas auf. Der große Durchbruch mit ihrer Band Gossip kam mit dem Album „Music For Men“ (2009). Der Titel „Heavy Cross“ war in Deutschland fast 100 Wochen lang in den Single-Charts. Das letzte Album des Trios kam 2012 auf den Markt. Bekannt ist Ditto auch für ihre schillernden Outfits. Auf Modeschauen prominenter Designer war die Sängerin gern gesehener Gast.

Tour-Daten in Deutschland: 21. September: Berlin, Huxleys Neue Welt; 22. September: Hamburg, Reeperbahn Festival; 26. September: Köln, E-Werk; 27. September: München, Muffathalle;

5. Oktober: Frankfurt, Batschkapp.

Interview: Nathalie Waehlisch

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