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Kultur im Norden Zurück zu den Wurzeln
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18:12 05.07.2017
Nimm Zwei: Avi Avital (l.) und Omer Avital traten virtuos und charmant in einen musikalischen Dialog. Quelle: Foto: Fotonick

Wotersen. Nein, die beiden sind keine Brüder und sie sind auch nicht verwandt. Avi Avital, der die Mandoline zum gefeierten Klassik-Instrument geadelt hat und dem das Solistenporträt beim SHMF gewidmet ist, und Omer Avital, der als Jazzer mit seinem Bass nicht nur die New Yorker für sich einnimmt. Mit ihrem gemeinsamen Konzert am Dienstag in der ehemaligen Reithalle in Wotersen bescherten sie dem Festival in dessen erster Woche bereits eine Stern-Anderthalbstunde.

Nächstes Konzert

Avital & Hauschka: Zusammen mit dem Pianisten Hauschka und dem Vision String Quartett spielt Avi Avital speziell für das SHMF komponierte Stücke morgen in Kiel (ausverkauft) und am Sonnabend in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (20 Uhr). Für Lübeck gibt es noch Karten unter Telefon 0431 / 237070 oder ww.shmf.de

Mit etwas Verspätung („der Wotersen-Effekt“ nannte Intendant Christian Kuhnt bei seiner kleinen Ansprache zu Beginn die Tatsache, dass hier selten alle Zuschauer pünktlich im Saal Platz nehmen) kommen Avital & Avital sowie der Percussionist Itamar Doari und der Pianist Yonathan Avishai auf die Bühne. Klare Mandolinenklänge geben den Rhythmus vor, nach und nach steigen Bass, Schlagwerk und Piano ein, sie treiben das Tempo voran, jedes Instrument bekommt seinen Raum, manche Passagen klingen deutlich orientalisch, dann wird es getragen – minutenlang zieht das Stück „Zamzama“ die Zuhörer in seinen Bann – tosender Applaus schon nach dem ersten Stück.

Das ist ein neues Klangerlebnis, im Programm als „Orient trifft Okzident“ angekündigt. Melodien wie aus einer fernen Welt, inspiriert von marokkanischen und jüdischen Klängen, die in Jazzvariationen aufgehen und frei improvisiert werden, wirken zuweilen wie Meditationsmusik, dann wieder möchte man aufstehen und dazu tanzen.

Zurück zu den Wurzeln – das war vor fünf Jahren die Idee, die Avi und Omer Avital zu ihrem gemeinsamen Programm inspirierte. Denn die Familien beider Musiker stammen ursprünglich aus Marokko, sind in das neu gegründete Israel ausgewandert und haben sich den dort üblichen Namen Avital gegeben. Auf der Musikakademie in Jerusalem haben beide sich schon vor vielen Jahren kennengelernt, obwohl Omer Jazz und Avi klassische Musik studierte – durch den gemeinsamen Namen waren sie neugierig aufeinander geworden. Als Solisten hatten sie sich kaum der Musik ihrer Heimat zugewandt, gemeinsam entwickelten sie vor fünf Jahren ihr ost-westliches Programm. Lebensfrohe, rhythmusstarke Stücke wie „Ana Maghrebi“ werden fast zum Happening, ruhige Eigenkompositionen wie „Lonely girl“ lassen die Gedanken schweifen.

Faszinierend an diesen Musikern ist nicht nur ihre Virtuosität – alle vier sind als Solisten international gefeiert. Ihre Kommunikation mittels der Instrumente und die Spielfreude – Omer tanzt und flirtet mit dem Bass, Avi bearbeitet dieMandoline wie ein Rockstar – kommen trotz aller Professionalität authentisch rüber. Nach pausenlosen anderthalb Stunden ist der Jubel frenetisch – und beim Abschied und der Zugabe sorgt Avi Avitals vierjähriger Sohn auf der Bühne für zusätzliche Sympathiepunkte.

Die gute Nachricht: Avi Avital wird in diesem Sommer 19 weitere Konzerte im Norden in unterschiedlichsten Besetzungen geben. Wer sich etwas Gutes gönnen möchte, sichere sich früh Tickets.

Petra Haase

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