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Kultur im Norden Zwei Akte aus schwarzer Magie und Chaos
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21:18 16.09.2013
Sänger und Tänzer in „Der Meister und Margarita“. Quelle: Foto: dpa

Der russische Autor Michail Bulgakow (1891-1940) hat in seinem Jahrhundertroman „Meister und Margarita“ einen Wirbelsturm an fantastischen Welten entfacht. Satansball, Himmelfahrt des Pontius Pilatus, rollende Köpfe, ein Kater mit übersinnlicher Kraft und dazu der Teufel als Motor aller magischen Entwicklungen. Der Kölner Komponist York Höller (69) hat die Vielschichtigkeit des von der sowjetischen Zensur bis 1966 totgeschwiegenen Meisterwerks mit Bravour nachgestaltet.

Die Oper war ursprünglich ein Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper, Generalmusikdirektor Hans Zender hatte den Auftrag erteilt. Doch als er 1987 Hamburg verließ, fand die Uraufführung in Paris statt. Nun endlich ist sie in Hamburg zu sehen. Dort frischt Regisseur Jochen Biganzoli den Zweiakter in der berühmten Varieté-Szene mit einer „Apple“-Persiflage auf.

Corny Littmann, Chef des Schmidt-Theaters, hat man als Conférencier angeheuert, er wettert ein bisschen gegen hanseatische Pfeffersack-Mentalitäten und bringt noch andere Hamburg-Bezüge ein. Danach lichteten sich in der Premiere die Reihen im Parkett.

Dabei hat die Inszenierung im puristisch in SchwarzWeiß gehaltenen Bühnenbild durchaus ihren Reiz. So spielen die Teufeliaden aus der Hoch-Zeit stalinistischer Repressionen in einer riesigen Neonröhren-Konstruktion, die mal zur Psychiatrie, mal zur Folterkammer, mal zum gespenstischen Ballsaal, mal zu Golgatha w ird.

Das stärkt die Symbolkraft des Werks. Da sich auf der Hamburger Bühne Orte und Zeiten aber ständig überlappen und auch noch etliche Doubles ihr Unwesen treiben, lässt sich das versponnene Geschehen oft nur mühsam enträtseln. Dietrich Henschel, der die Doppelrolle des Meisters und des Jeschua (Jesus) mit viel Elan singt, hat als stärkste Mitstreiterin Cristina Damian in der Rolle der Margarita. Ihr Pakt mit dem Teufel (Derek Welton) soll ihrem geliebten Meister Erlösung von seinen irdischen Leiden bringen. Doch Dichter ruhm ist diesem (wie Bulgakow) erst nach dem Tode vergönnt.

Höllers elektronisch beflügelte Musik hat ihre Kraft bewahrt, vor allem in den sparsam instrumentierten und lyrisch bewegten Momenten. Marcus Bosch dirigierte die Philharmoniker und die Sänger präzise. Der fast erblindete Komponist war von der späten Hamburger Premiere seiner einzigen Oper sichtlich gerührt.

Weitere Vorstellungen: Sa., 21. und So., 26. September, jeweils 19.30 Uhr; Karten unter (040) 35 68 68

Barbara Sell

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