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Kultur im Norden Zwei Juden, die Feinde sein müssen
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21:17 24.09.2013

Avi Primor (78) war ab 1993 sechs Jahre lang israelischer Botschafter in Deutschland. Das ist nicht besonders lange, doch der Diplomat wurde in dieser Zeit und in den Jahren danach als Interpret israelischer Politik in den deutschen Medien zum prominenten Kopf. Primor scheute sich nie, trotz seiner offiziellen Funktion, die israelische Regierung zu kritisieren. Selbst seinem Staatspräsidenten Ezer Weizman widersprach er, als dieser sagte, Deutschland sei kein Land, in dem Juden leben sollten.

Dieser unabhängige Geist hat nun — nach einer Reihe von Sachbüchern — seinen ersten Roman geschrieben. Er wählte dafür ein überraschendes Thema: den Ersten Weltkrieg. „Süß und ehrenvoll“ ist der Titel, in dem das berühmte Horaz-Zitat „Dulce et decorum est pro patria mori“ anklingt — dass es eben nicht nur zur Ehre gereiche, sondern auch noch ein rauschhafte Sache sei, als ergebener Soldat für das Vaterland zu sterben.

Das meint natürlich nicht der Autor, aber zumindest einer seiner Protagonisten: der Frankfurter Bürgerssohn Ludwig, der seiner Einberufung 1914 entgegenfiebert. In Frankreich wird im selben Jahr der gleichaltrige Louis Soldat. Das ist nicht das einzige, was sie verbindet: Beide sind Juden, beide wollen mit dem Waffendienst voll akzeptierte Bürger in ihren Ländern werden. Nur einer überlebt den Krieg.

„Süß und ehrenvoll“ von Avi Primor, Quadriga, 383 Seiten, 19,99 Euro; der Autor liest heute, 19.30 Uhr, bei Hugendubel Lübeck, Königstr. 67a; Moderation: Jürgen Feldhoff

LN

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