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Zwei Messen und ein kleines Wunder

Lübeck Zwei Messen und ein kleines Wunder

Sogar ein – höflich ausgedrückt – profaner Raum wie die Rotunde der Musik- und Kongresshalle kann sich in einen Raum verwandeln, in dem sich musikalisch Wunderbarstes ereignet.

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Ton Koopman ist Spezialist für Barock- und Renaissancemusik.

Lübeck. Sogar ein – höflich ausgedrückt – profaner Raum wie die Rotunde der Musik- und Kongresshalle kann sich in einen Raum verwandeln, in dem sich musikalisch Wunderbarstes ereignet. So geschehen am Donnerstag beim Auftritt von Ton Koopman und seinem Amsterdam Baroque Orchestra & Choir.

Kirchliche Musik stand auf dem Programm, Musik aus einer Zeit, die nicht unbedingt zu Koopmans Kernkompetenz als Dirigent zu gehören scheint. Wie der Niederländer die „Missa in angustiis“ von Joseph Haydn und Mozarts „Krönungsmesse“ aufführte, ließ auch die letzten Zweifel raschestmöglich schwinden. Haydns Masse, auch „Nelson-Messe“ genannt, zeigte bereits die fantastischen Möglichkeiten von Koopmans Orchester und Chor. Vibratofreier, präziser und vor allem differenzierter Klang bei den Instrumentalisten, im klein besetzten Chor eine selten zu erlebende Homogenität der Stimmen: Es entstand eine transparente, ausmusizierte und auch bewegende Interpretation dieser klassischen Komposition. Unter den Solisten stach die Sopranistin Yetzabel Arias Fernandez heraus. Nach leichten Härten im Stimmeinsatz zu Beginn gelangen ihr dann perlende, hell strahlende Koloraturen. Gegen diese Sopran- Pracht anzukommen fiel Bogna Bartosz mit ihrem elegant geführten und dunkel timbrierten Alt gelegentlich schwer. Der junge Tenor Tilman Lichdi zeigte ein großes Potenzial. Bass Klaus Mertens, mittlerweile auch schon 67, muss langsam dem Alter Tribut zollen.

Hoch dramatisch nahm Koopman nach der Pause Mozarts „Krönungsmesse“. Hier waren dann auch all die opernhaften Effekte zu hören, die der Komponist in diese Messe eingewirkt hat – allerdings nie als Selbstzweck, sondern als Element der Vermittlung des Messe-Textes. Eine derart fein gearbeitete Aufführung gelingt nicht vielen Dirigenten.

Zwischen den Messen aber gab es noch ein kleines Wunder. Das nur 44 Takte lange „Ave verum corpus“ von Mozart erklang ätherisch und zart wie nicht mehr ganz von dieser Welt. Dieses späte Mozart- Werk gewährte Ton Koopman dem begeisterten Publikum dann auch noch als Zugabe.

Jürgen Feldhoff

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