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Kultur im Norden Zwei neue Filmfestivals im Norden
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18:10 22.09.2017
Lübeck

Dietmar Baum, Kurator und Projektinitiator für das Baltic Film Art Festival in Neustadt, will vor allem ein jugendliches Publikum ansprechen. Veranstalter dieser neuen „cineastischen Begegnungsplattform“ ist die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht. Geboten werden Filme, Workshops, Musik und Partys und die Möglichkeit, mit Filmschaffenden ins Gespräch zu kommen. Der besondere Reiz:

Die Zuschauer können die Filme drinnen und draußen genießen – auf einer Leinwand vor maritimer Kulisse am Hafen oder in den ehemaligen Glücksklee-Werken. Dort betreibt Dietmar Baum das Glücks-Café, das ebenso wie das angeschlossene Fotostudio und die Kunstgalerie während des Festivals zum Kino wird. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei.

An drei Tagen werden Kurzfilme vom cineastischen Nachwuchs gezeigt – es gibt die Sparten „Mehr Meer“, „Mensch zu Mensch“ sowie „Kunst-Art-ig“. Dazu Baum: „Das sind Produktionen, die sich durch ihre besondere Filmsprache auszeichnen.“ Der kürzeste Festival-Beitrag ist 14 Sekunden lang, der längste 30 Minuten. Mit dem Eröffnungsfilm „Ausgebremst“ wird der Austragungsort gewürdigt, denn der Filmemacher Arnd Hering kommt aus Neustadt.

Enger Kontakt zu den Nordischen Filmtagen

Absolventen von Filmhochschulen und -universitäten wurden aufgefordert, ihre Filme einzuschicken. Von 170 eingesandten Beiträgen hat Dietmar Baum, gebürtiger Sauerländer, der in Sierksdorf lebt, ein Programm von 30 Filmen zusammengestellt. 15 nominierte Produktionen konkurrieren um Sach- und Geldleistungen in Höhe von 1000 Euro. Über die Preisträger entscheidet eine Jury aus Schauspielern, Regisseuren, Redakteuren und Moderatoren – unter ihnen Harriet Heise, bekannt aus dem Schleswig-Holstein-Magazin des NDR. Dietmar Baum ist optimistisch: „Es ist geplant, dass das Baltic Film Art Festival zu einer festen Größe im Kulturprogramm an der Küste wird.“

Während das Neustädter Filmfestival „Baltic“ im Titel führt, weil es an der Ostsee stattfindet, hat das neue internationale Filmfestival auf Rügen einen weitaus höheren politischen Anspruch. Der Künstlerische Leiter Alexander Ris sagt: „Rügen liegt mitten in der Ostsee und ist von neun Ländern umgeben.“ Das sind Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Deutschland. Ris bedauert, dass die Filme, die in den benachbarten Anrainerstaaten der Ostsee Riesenerfolge gefeiert haben, es so gut wie nie in die deutschen Kinos schaffen würden. Wie etwa der Festivalfilm „Planet Single“, eine romantische Komödie. Ris: „Der gehörte in Polen zu den Hits im vergangenen Jahr.“ Der erfolgreiche Produzent pflegt freundschaftliche Beziehungen zu den Filmfestivals in Stettin und Rostock. „Wir tauschen gegenseitig Filme aus“, sagt der 48-Jährige, der Drehbücher geschrieben und Regie geführt hat, bevor er Produzent wurde. Auch zu den Nordischen Filmtagen in Lübeck bestehe ein enger Kontakt. Aber im Unterschied zu Linde Fröhlich sei er bei seiner Programmauswahl nicht auf Aktualität angewiesen, er müsse keine deutschen Erstaufführungen präsentieren.

Das Rügen International Festival Festival, begleitet von Workshops und Matinées, bietet gut 40 Filme unterschiedlichster Genres. Im Wettbewerb – „To see the Sea“ – werden Filme aus den Ostsee-Anrainerstaaten gezeigt. Der von einer Jury gewählte beste Film erhält 7500 Euro, der vom Medienpartner, der Ostseezeitung, gestiftet wird. In „Inselwelten“ ist der Alltag am Wasser im Fokus, auf Inseln von Muhu bis Malta. In der Reihe „Local Heroes“ präsentiert sich die Region Mecklenburg Vorpommern. Der künstlerische Leiter: „Hier geht es um die Identität der Pommeraner.“ In den „Europäischen Highlights“ präsentiert das Festival eine Auswahl großartiger Preisträgerfilme. Die Preise werden seit 30 Jahren vergeben. Ris: „Wir zeigen die einzige Retrospektive zu diesem Jubiläum in Deutschland.“

Die Filme werden an reizvollen Orten der Rügener Bäderkette vorgeführt. Dazu zählen die Seebrücke in Sellin, der Marstall und das Theater in Putbus, die Museumswerft Greifswald sowie die Kulturkirche in Stralsund. Veranstalter des Festivals ist die Baltic International Filmfestival Rügen GmbH der Kulturstiftung Rügen.

Linde Fröhlich, künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage Lübeck, sieht in den beiden neuen Festivals keine Konkurrenz. Sie sagt: „Das Lübecker Festival entstammt einer ganz anderen Tradition von Festivals, die in den 1950er Jahren entstanden sind.“ In Lübeck wird im nächsten Jahr das 60. Jubiläum gefeiert. Etwas ketzerisch formuliert sie: „Bei Neustadt und Rügen habe ich das Gefühl, dass man versucht, die Region für Touristen auch nach der Hauptsaison noch attraktiv zu machen.“ Das sei nicht verwerflich, aber sie vermisse die Originalität, und der Titel, der sich mit „Baltic“ schmücke, sei leicht „hochgestapelt“. „Warum hat man nicht versucht, eine eigene Nische zu finden, um sich unter den Festivals zu profilieren?“ Als beispielhaft bezeichnet sie das im September in Eckernförde veranstaltete Internationale Naturfilmfestival Green Screen, das es seit 2007 gibt. Linde Fröhlich: „Das hat sich zum größten Naturfilmfestival in Deutschland entwickelt.“

Von Dorothea Kurz-Kohnert

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