Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Zwielichtige Marionetten
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Zwielichtige Marionetten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:22 22.06.2013
Von Sabine Spatzek
Das Magische und das Surreale fasziniere ihn, sagt der Maler und Drehbuchautor Bernd Hönack. Quelle: Foto: Sabine Spatzek

Was hat es mit dem schwarzen Tuch auf sich, das in der Mitte des zweiteiligen Bildes sanft zu Boden zu sinken scheint? Oder mit den Figuren, die sich mit offenen Mündern dahinter drängeln? Mit dem schwebenden Apfel, der winkenden Hand? „Das weiß ich auch nicht“, gibt Bernd Hönack zu. „Ich will mit diesen Bildern keine Botschaft transportieren.“ Es wolle, dass jeder Betrachter seine eigene Geschichte dazu erfinde, sagt der in Travemünde lebende Maler.

Genau diese Gelegenheit bietet sich in der Galerie Essig. Zwei Dutzend mit Tempera-Farben gemalte Bilder aus dem 2004 begonnenen Zyklus „Nachtgesang“ sind dort zu sehen, zu dem sich der 1940 in Hamburg geborene Hönack durch Heinrich von Kleists Essay „Über das Marionettentheater“ anregen ließ.

An Fäden aufgehängte Holzköpfe oder Gliederpuppen sind vielfach dargestellt, sie entstammen allerdings eindeutig keiner Kinderpuppenbühne. Die Atmosphäre ist düster, zwielichtig. Die Figuren und ihre Beziehungen untereinander wirken rätselhaft, beflügeln so die Fantasie. „Bei der Arbeit ergibt sich zwischen den Figuren ein Blickrhythmus. Das ist mir sehr wichtig“, erklärt Hönack.

Die an sich leblosen, noch dazu oft versehrten Gestalten strahlen Lebendigkeit und eigenwillige Stärke aus. Es sei das Burleske, das Magische, das Surreale, das ihn fasziniere, sagt der Künstler.

Lange hat er als Regisseur und Drehbuchautor von Fernsehdokumentationen, Werbe- und Imagefilmen gearbeitet. Die Malerei betrieb er parallel, beteiligte sich an Ausstellungen im In- und Ausland. In Travemünde, das vom Wochenenddomizil zu seinem Hauptwohnsitz geworden ist, war er 2008 Gründungsmitglied der Kunstinitiative.

Das Theater-Figurenmuseum im Lübecker Kolk hat Hönack gelegentlich besucht. Einige Figuren von dort seien auf den Bildern zu erkennen, sagt Hönack. Dass der Maler auch ganz anders, nämlich ungegenständlich arbeiten kann, zeigt der von Essig-Galerist Peter Messerschmidt herausgegebene Katalog. Er enthält zusätzlich Abbildungen aus fünf weiteren Bilderzyklen.

„Nachtgesang“ ist bis zum 11. August zu sehen in der Galerie Essig, Kanalstraße 26-28 in Lübeck; geöffnet Di-Fr 15-18 Uhr, So 11-13 Uhr und nach Vereinbarung (Tel. 0172/4138399).

Sabine Spatzek

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zauberhafte „Shakespeare Nights“ im Schweriner Domhof

Hermann Hofer 22.06.2013

Den Datenskandalen sei Dank: George Orwells Roman „1984“ ist wieder zum Bestseller geworden.

22.06.2013

Eugen Ruges zweiter Roman „Cabo de Gata“: Eine kunstvolle Geschichte über 123 ereignislose Tage.

Liliane Jolitz 22.06.2013
Anzeige