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Kultur im Norden Zwischen Kunst und Propaganda
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19:13 15.12.2017
Ein Ausstellungsbesucher passiert das Szenenfoto zum Stumm-Film „Asphalt“ (1929). Quelle: Fotos: Dpa (4), Picture Alliance, Akg-Pressebild

„Der Ufa sagt man nicht so einfach ab“, erklärt noch heutzutage die Schauspielerin Claudia Michelsen, die mit der größten deutschen Produktionsfirma Fernsehfilme wie „Der Turm“ und „Ku’damm 56“ realisierte. Die Ufa, im Dezember 1917 als Propagandainstrument gegründet und von Deutscher Bank und der Industrie großzügig mit Kapital ausgestattet, setzt in ihrer hundertjährigen Geschichte stets auf das Star-System. Das zeigt die Schau „Münchhausen. Lügen in Agfacolor“.

Marlene Dietrich, Hans Albers, Zarah Leander – sie alle waren Stars der Ufa, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor allem in den Studios in Potsdam Babelsberg und Berlin Tempelhof drehte. Zum Jubiläumsjahr zeigt das Filmmuseum Potsdam eine neue Ausstellung.

Zu den Konstanten, die sich durch die Geschichte der Marke ziehen, gehören auch populäre Unterhaltungsproduktionen, die auf den internationalen Markt zielen. Schon in „Der blaue Engel“ ließ Josef von Sternberg 1929/30 jede Szene auf Deutsch und Englisch drehen. Marlene Dietrich als männermordende Lola wurde mit dem Film weltberühmt. Der Morgenmantel, den „die Dietrich“ im Film trug, wird in der Ufa-Schau ausgestellt.

Nicht nur Kostüme, auch Plakate, Filmausschnitte, Drehbücher, Werbematerial und Requisiten erzählen die wechselvolle Firmengeschichte. Trotz vieler Brüche und Zäsuren hat sich der zugkräftige Name bis heute gehalten.

„Die künstlerische Aufladung ist in der Stummfilmzeit passiert“, sagt die Kuratorin Klaudia Wick, dank solcher Werke wie „Metropolis“ und „Die Nibelungen“. Als der Tonfilm aufkam, reagierte die Ufa sofort: 1929 stellte sie die Produktion vollständig auf Tonfilm um. So konnte Heinz Rühmann 1930 „Ein Freund, ein guter Freund“ für „Die Drei von der Tankstelle“ singen. Tonfilm-Operetten boten dem Publikum in Zeiten von Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit kleine Fluchten aus dem Alltag. Auch auf die nationalsozialistische Diktatur reagierte die Ufa schnell und angepasst: Jüdische Mitarbeiter wurden entlassen, die Premiere von „Hitlerjunge Quex“ fand 1933 in Anwesenheit von Hitler statt. Und den Münchhausen-Film mit Hans Albers in der Titelrolle sahen bis 1944 mehr als 18 Millionen Zuschauer, „ob im besetzten Paris oder im bombenbedrohten Berlin“. Während der NS-Diktatur war Propagandaminister Joseph Goebbels der eigentliche Filmproduzent.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zerschlugen die Siegermächte den Konzern. Im Osten entstand die Defa. Im Westen gab es später wieder die Ufa, aber das Leitmedium war nun das Fernsehen. Hier zeigt die Ausstellung sehr schön, wie die Defa-Stars Manfred Krug und Angelica Domröse kritische Stoffe für das westdeutsche Fernsehen drehten und der Ufa zu neuem Ansehen bei den Sendern verhalfen.

Den Kinomarkt bediente die Ufa derweil nur nebenbei: Andreas Dresens TV-Film „Die Polizistin“ wurde ein Jahr nach der Ausstrahlung im Kino zweitverwertet. Mittlerweile ist die Ufa ein weltweit agierender Medienkonzern, der mit seinen Serien („GZSZ“), Quiz-Sendungen, Casting- und Realityshows („Das Supertalent“) einen Sender rund um die Uhr bespielen kann.

Erfolge feiert die Ufa seit einiger Zeit auch mit aufwendigen TV-Mehrteilern, wie „Unsere Mütter, unsere Väter“, der mit einem Emmy belohnt wurde. Am Ende machen die Besucher einen Schritt in die Virtual-Reality-Zukunft. Die Entwicklungsabteilung der Ufa arbeitet zusammen mit dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut am begehbaren Film. Mit einer Brille bewegt man sich in einer dreidimensionalen Umgebung, kann um die Schauspieler herumgehen und sogar selbst Teil der Inszenierung werden. Demnächst wird auf dem Babelsberger Gelände ein Studio für den begehbaren Film eingerichtet.

Die Ausstellung

Zum Jubiläumsjahr „100 Jahre Ufa“ zeigt das Filmmuseum Potsdam eine neue Ausstellung mit dem Titel: „Münchhausen. Lügen in Agfacolor“. Damit sollen die Ansprüche an ein deutsches Illusions- und Farbkino und die „europaweite Vermarktung des bunten Märchenfilms in düsteren Kriegszeiten“ betrachtet werden, teilte das Museum mit. Die Ausstellung ist bis zum 25. Februar zu sehen.

Die Ufa wurde 1917 als „Universum Film Aktiengesellschaft Berlin“ gegründet. Heute produziert das Unternehmen, das zur internationalen RTL Group gehört, jährlich 4500 Fernsehstunden, darunter auch die RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Claudia Palma

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