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Zwischen den Spalten der Geschichte

Lübeck Zwischen den Spalten der Geschichte

Ruta Sepetys stellt ihren neuen Roman „Salz für die See“ im Günter Grass-Haus vor. Darin geht es um es um die letzten Kriegstage im Winter 1945 - und ein Geflecht von Lügen, Enthüllungen und Selbstbetrug.

Ruta Sepetys, amerikanische Autorin, liest im Günter Grass-Haus aus ihrem neuen Werk "Salz für die See".

Quelle: Karina Kücking

Lübeck. Winter 1945. Die letzten Kriegstage: Aus Angst vor der Roten Armee fliehen tausende Menschen nach Westen. Bei Temperaturen weit unter dem Nullpunkt müssen viele Flüchtlinge die gefährliche Route über das zugefrorene Frische Haff nehmen. Am anderen Ufer scheint es Hoffnung zu geben: Die Wilhelm Gustloff liegt in Gotenhafen und soll die Flüchtenden in weiter westlich gelegene Städte bringen. Als das Schiff den Hafen verlässt, befinden sich etwa 10.000 Passagiere an Bord. Am 30. Januar geht die Wilhelm Gustloff nach Beschuss durch ein sowjetisches U-Boot unter. Über 9300 Menschen kommen dabei ums Leben, darunter etwa 4000 Kinder.

Dass sich die amerikanische Autorin Ruta Sepetys dies zur Grundlage für ihren Roman „Salz für die See“ gemacht hat, liegt wohl auch daran, dass sie einen persönlichen Bezug zu den Geschehnissen hat: Ihre Großtante befand sich auf der Wilhelm Gustloff und ihr aus Litauen stammender Vater lebte acht Jahre in einer deutschen Flüchtlingsunterkunft.

Bereits bei ihrem Debüt „Und in mir der unbesiegbare Sommer“ wandte sie sich zu Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs: der massiven Deportation baltischer Völker durch Sowjets. Für die Recherche verbrachte sie damals 20 Stunden in einem Litauischen Gefängnis.

In ihrer Buchvorstellung im Günter Grass-Haus erzählt sie unter anderem, wie sie bei ihrer Recherche für „Salz für die See“ vorgegangen ist. Das Günter Grass-Haus ist ein nicht zufällig gewählter Veranstaltungsort: Eines seiner Spätwerke, die Novelle „Im Krebsgang“, befasst sich ebenfalls mit dem Untergang der Wilhelm Gustloff.

Ruta Sepetys erzählt bei ihrem Vortrag, dass sie nicht nur alles bereits Geschriebene über die Geschehnisse gelesen hat,sondern „ihre Füße auf den Grund setzten“ wollte - an jener Stelle, von der aus die Flüchtlinge den Weg über das Eis nahmen. Sie sprach mit Zeitgenossen und Überlebenden. Eine Dame erzählte ihr, dass damals, als sie im Jahr 1945 die Ostsee überschritt und die Sonne durch das Eis schien, Augen eines Pferdes sie von unterhalb der Eisschicht anstarrten. In Dänemark besuchte sie einen Taucher, der das Schiffswrack durchquert hat.

Zu allen Geschichten und Personen zeigt Sepetys bei ihrem bebilderten Vortrag Fotos und Karten. Während sie mit vielen Personen über die Erlebnisse sprach, sei ihr aufgefallen, dass jeder die Geschehnisse anders wahrgenommen und interpretiert hat. Daraus entstanden ist die Idee, die Geschichte mit den Stimmen von vier Protagonisten zu erzählen: Joana, einer 21-jährigen Litauischen Krankenschwester; Florian, einem deutschen Deserteur; Emilia, einer 15-jährigen Polin; und später auf der Wilhelm Gustloff tritt Alfred hinzu, ein deutscher Soldat. Jeder der Jugendlichen trägt ein Geheimnis mit sich. Der Krieg hat sie allerdings misstrauisch gemacht, so tauschen sie anfangs nicht einmal Namen aus.

In den kurzen Kapiteln bewegt sich die Erzählperspektive von einem zum nächsten Charakter. Die Spannung der Geschichte ergibt sich nicht nur aus den historischen Geschehnissen - der weiter über den deutschen Grenzen im Osten überschreitenden sowjetischen Armee - sondern aus dem Geflecht von Lügen, Enthüllungen und Selbstbetrug.

Ruta Sepetys schreibt ihre historischen Romane ausdrücklich für Jugendliche und nimmt dabei keinen Abstand von brutalen Szenen, in denen Neugeborene und Kinder ertrinken. Das mag auch der Grund dafür sein, warum unter anderem in Italien ihre Bücher nicht als Jugend- sondern als Erwachsenenliteratur publiziert werden.

Wie bereits die beiden Vorgängerbücher von Ruta Sepetys ist aber auch „Salz für die See“ für Jugendliche wie auch Erwachsene gleichermaßen mitreißend. Denn neben der Tatsache, dass die Protagonisten fiktiv sind, schwebt ununterbrochen das Wissen mit, dass die Begebenheiten der Realität entsprechen. In den Worten der Autorin: „I wrote the book. History wrote the story.“

„Salz für die See“ erscheint am 29. September 2016 im Königskinder Verlag

 Karina Kücking

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